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Ericsson-Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau in Backnang

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Die Beschäftigten des Ericsson-Standortes in Backnang (Rems-Murr-Kreis) haben am gestrigen Mittwoch gegen einen drohenden Stellenabbau protestiert. Nach einer Betriebsversammlung zogen Angaben der IG Metall zufolge rund 300 Mitarbeiter durch den Ort. Die Beschäftigten wehren sich gegen die Pläne des schwedischen Telekommunikationskonzerns, etwa die Hälfte der rund 600 Arbeitsplätze zu streichen. Bis zum Jahresende wolle Ericsson seine Pläne umgesetzt haben, sagte eine Gewerkschaftssprecherin.

Der gesamten Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Werkes mit 265 Entwicklern droht das Aus. Ein Sprecher des Ericsson-Konzerns sagte, es stimme, dass die Forschungsaufträge der Konzernmutter an Backnang Ende 2008 auslaufen. Die 265 Entwickler hätten dann keine Aufträge mehr. "Was dann mit den 265 Mitarbeitern passiert, muss noch geklärt werden", sagte er.

Ericsson will seine Geschäfte in Deutschland neu ausrichten und hatte im Vorjahr angekündigt, rund 350 Arbeitsplätze im Bundesgebiet zu streichen. Alle Entwicklungsstandorte in Deutschland sollen dabei auf den Prüfstand gestellt werden. Der Ericsson-Sprecher sagte, der Konzern stehe europaweit unter starkem Kostendruck. Das Gebäude in Backnang sei sehr groß und damit unpraktisch. Der Konzern könne sich vorstellen, das Gebäude zu verlassen und an einen anderen Ort im Großraum Stuttgart umzuziehen.

Mit dem Betriebsrat werde nun versucht, auch Alternativmodelle für den Erhalt der Arbeitsplätze zu entwicklen, sagte die IG-Metall-Sprecherin. Daneben seien weitere Proteste und Mahnwachen geplant, um Druck auf den Telekommunikationskonzern auszuüben. Diskussionen um die Zukunft der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Backnang gab es bereits im vergangenen Jahr. Der Standort hat eine lange und leidensvolle Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte die AEG-Tochter Telefunken den Bereich Nachrichtentechnik von Berlin nach Backnang. Es folgte die Fusion zu AEG-Telefunken, zwischenzeitlich gehörte der Standort zu ANT, Bosch-Telecom und Marconi, die schließlich Anfang 2006 von Ericsson übernommen wurde. (dpa) / (jk)