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Ericsson streicht 10.000 Stellen nach hohen Handy-Verlusten

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Nach langen Spekulationen über das Sparpaket und den geplanten Stellenabbau ist es nun offiziell: Der schwedische Telekommunikations-Konzern Ericsson streicht wegen anhaltend hoher Verluste beim Handy-Verkauf 10.000 Stellen, rund zehn Prozent der gesamten Arbeitsplätze. Außerdem soll die Zahl der 15.000 freiberuflich beschäftigten Berater drastisch reduziert werden. Rund die Hälfte der Stellenkürzungen soll außerhalb Schwedens erfolgen; die deutsche Ericsson-Zentrale hatte aber bereits vorab mitgeteilt, dass es hierzulande keine Stellenstreichungen geben werde.

Das Unternehmen bezifferte am heutigen Freitag in Stockholm das Minus der Handy-Sparte im ersten Quartal auf 670 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2000 war bereits in der Handy-Sparte ein Verlust von 1,9 Milliarden Euro aufgelaufen. Der Umsatz beim Verkauf von Mobiltelefonen ging im ersten Quartal im Vergleich zur gleichen Vorjahresperiode um mehr als die Hälfte von 1,6 Milliarden auf 795 Millionen Euro zurück. Der Umsatz mit Netz-Ausrüstungen für Mobilfunk- und Telecom-Anbieter stieg dagegen um 8 Prozent; die Verkäufe von Infrastruktur für GSM-Netze kletterten sogar um 30 Prozent.

Der Vorsteuergewinn in den ersten drei Monaten von 66,28 Millionen Euro wurde vor allem durch Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen in Höhe von 607 Millionen Euro gesichert; ohne Berücksichtigung dieser Verkäufe von Anteilen an der Netzwerkfirma Juniper Networks belief sich der Verlust auf 541 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz sank um fünf Prozent von 6,53 auf 6,18 Milliarden Euro.

Das Unternehmen hatte am Vortag Verhandlungen mit dem japanischen Sony-Konzern über eine strategische Allianz bei Mobiltelefonen bestätigt; bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das Jahr 2000 hatten die Schweden bereits den Verkauf der Handy-Produktion an Flextronics bekannt gegeben. Ericsson ist drittgrößter Handy-Produzent der Welt nach Nokia und Motorola. Für das zweite Quartal sieht der Konzern vorerst keine Besserung: Die Einkünfte würden sich gegenüber dem ersten Quartal nicht erhöhen, hieß es bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. "Ein schwächerer Markt hat zu einem weiteren Verfall unseres Handy-Geschäfts beigetragen", kommentierte Kurt Hellström, Präsident und CEO von Ericsson, das Ergebnis. "Daher beschränken wir diesen Bereich auf die wichtigen Teile, die auch unser Geschäft mit Netzwerkausrüstungen stützen. Dadurch bekommen wir eine Sparte, die schmaler und einfacher zu managen ist sowie weniger Risiko beinhaltet."

Die Restrukturierungsaufwendungen sollen Kosten von rund 1,66 Milliarden Euro verursachen, die im zweiten Quartal die Bilanz belasten. Insgesamt sollen die Kosten aber durch ein Sparprogramm reduziert werden. Dazu gehören Einschränkungen beim Verkauf und bei administrativen Aufgaben, Reduzierung der Aktivitäten in bestimmten Märkten, darunter dem Handy-Geschäft, und eine Konzentration der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Für Letzteres sollen die Standorte, an denen Forschung und Entwicklung betrieben wird, zusammengelegt werden. (jk)