Menü

Erneut Beschlagnahme von Indymedia-Server in Großbritannien

Die Polizei der britischen Grafschaft Kent hat am Donnerstag einen Server des Nachrichtenportals Indymedia beim in Manchester ansässigen Hostprovider UK Grid beschlagnahmt. Die weltweit tätigen Medienaktivisten beklagen nun einen erneuten Angriff auf ihre Infrastruktur in Großbritannien. Sie monieren insbesondere, dass die Ermittler offenbar keine von einem Richter bestätigte Anordnung vorgelegt hätten und der Serverplatzanbieter in vorauseilendem Gehorsam gehandelt habe.

Auslöser der Beschlagnahme soll die Angabe persönlicher Informationen über einen britischen Richter gewesen sein, der Tierschützer im Rahmen ihrer Kampagne Stop Huntingdon Animal Cruelty (SHAC) am selben Tag zu hohen Gefängnisstrafen wegen Erpressung und Verschwörung verurteilt hatte.

Anzeige

Nach Angaben von Indymedia verlangte die Polizei in einer E-Mail zunächst, dass die Angaben über den Kadi aus einem Forum der Webseite entfernt würden. Dem habe man im Einklang mit den Datenschutzrichtlinien für das britische Unterportal rasch Folge geleistet. Weiter hätten die Fahnder aber die Herausgabe von Verbindungsdaten und die IP-Adresse des Autors des umstrittenen Beitrags gefordert. Indymedia speichere aber keine Logdateien und habe daher in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen können. Die Polizei habe daraufhin mit der Beschlagnahme reagiert.

Von dem Einzug des Servers betroffen waren neben dem Forum nach Angaben der Aktivisten vorübergehend Seiten von Indymedia London, das globale Indymedia Dokumentationsprojekt, eine Kampagne gegen genmanipuliertes Soja, eine lokale Gemeindeseite von Sheffield und eine kanadische Kampagnenseite gegen die Olympischen Spiele 2010. Schon 2004 waren Server von Indymedia im Rahmen einer weit angelegten Razzia des FBI in London beschlagnahmt worden, bei welcher der Provider Rackspace ungerechtfertigt Rechnerkomponenten und Festplatten herausgerückt hat. 2005 zog die britische Polizei in Bristol einen Indymedia-Server ein. In beiden Fällen soll es um Proteste gegen G8-Gipfeltreffen gegangen sein. (Stefan Krempl) (Stefan Krempl) / (hps)

Anzeige