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Erste Banküberweisung mit Quantenkryptographie

Das östereichische Projekt zur Quantenkryptographie meldet, man habe heute die weltweit erste quantenkryptographisch verschlüsselte Überweisung durchgeführt. Die neue Sicherheitstechnik wurde demonstriert von der Gruppe um Professor Anton Zeilinger in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Quantentechnologien des Bereichs Informationstechnologien von Seibersdorf research GmbH. Als Auftraggeber der Transaktion fungierte Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der Empfänger war der Vorstandsvorsitzende der Bank Austria Creditanstalt Erich Hampel.

Die Verschlüsselung erfolgte über ein sogenanntes One-Time-Pad -- das einzige bekannte Verschlüsselungsverfahren, das nachweislich nicht zu knacken ist. Es erfordert allerdings, dass Sender und Empfänger im Besitz eines geheimen Schlüssels sind, der genauso lang wie die eigentliche Nachricht ist und aus absolut zufälligen Zahlenfolgen besteht. Dieses One-Time-Pad darf dann auch nur einmal verwendet werden -- daher der Name. One-Time-Pads werden vor allem von Geheimdiensten für die Verschlüsselung höchst vertraulicher Nachrichten eingesetzt und gewöhnlich von Kurieren überbracht.

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Das One-Time-Pad für die Überweisung erzeugten die Forscher mit Hilfe eines quantenphysikalischen Phänomens gleichzeitig beim Sender und Empfänger mit zwei quantenphysikalisch gekoppelten ("verschränkten") Lichtteilchen. Beide Teilchen befanden sich zu Beginn des Experiments in einem undefinierten Zustand, eines blieb beim Absender, das andere wurde über einen Lichtwellenleiter zum Empfänger geschickt. Nimmt man an einem der beiden Teilchen eine Messung vor, legt diese das Ergebnis einer anschließenden, gleichartigen Messung an seinem Partner fest -- auch wenn dieser weit entfernt ist. Aus den Messergebnissen konstruierten die Forscher das One-Time-Pad, mit dem anschließend Ver- und Entschlüsselung des Überweisungsaufrags erfolgte.

Albert Einstein hatte diesen Quanten-Effekt als "spukhafte Fernwirkung" bezeichnet und konstruierte daraus das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen Paradoxon. Mittlerweile ist der Effekt experimentell belegt; ihn zu verstehen hat allerdings schon viele Physik-Studenten an den Rand der Verzweiflung getrieben. (ju)

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