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Erste Bilanz zu Second Life fällt im Ländle vorsichtig aus

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Der Bodensee liegt nur noch wenige Schritte vom Schwarzwald entfernt, und auch die Repräsentanz Baden-Württembergs ist in dem Online-Spiel nicht weit. Alles zusammen befindet sich auf einer Insel: im virtuellen Ozean von Second Life, der zweiten Welt im Internet. Es gibt die Baden-Württemberg-Insel seit rund einem Monat – und genau wie bei den bisher vertretenen Unternehmen im Ländle fällt das erste Fazit vorsichtig optimistisch aus.

"Die Besucherzahlen waren am Anfang besser als jetzt", erzählt Hannelore Herlan, Pressesprecherin der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG). Es sei aber vor allem Ziel des Projekts gewesen, Trendsetter zu sein. Bisher sei Baden-Württemberg das einzige Bundesland mit einer eigenen Vertretung in der virtuellen Welt.

"Demnächst soll der 'Innovation Park' bebaut werden. Dort wollen sich unter anderem die Hochschulen Hohenheim und Konstanz darstellen", ergänzt Herlan. Das bisher knapp 10.000 Euro teure Second-Life-Angebot werde vor allem als Experimentierfeld im Marketing benutzt.

Den Trendaspekt betonen auch zwei der größten Unternehmen im Land, die bereits eigene Angebote in Second Life eröffnet haben. "Wir sind mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden", sagt Johanna Mertins vom Energieversorger EnBW. Über 15.000 Teilnehmer hätten sich zu Beginn der Aktivitäten ein EnBW-Trikot für ihre Computerfigur besorgt. Über die seitherigen Besucherzahlen in der virtuellen EnBW-Arena werden wie über die bisherigen Programmier- und Betreuungskosten keine Angaben gemacht. Die nächste größere Aktion ist die maßstabsgetreue Umsetzung des Messestandes der Hannover Messe in Second Life.

Auch DaimlerChrysler unterhält längst ein Mercedes-Benz-Autohaus im zweiten Leben – inklusive virtueller Teststrecke und Events zur Einführung neuer Modelle in der ersten Welt. Tatsächlich tummeln sich auf der Insel des Autobauers häufig Figuren, die sich mit dem Kauf eines virtuellen Fahrzeugs beschäftigen.

Der Medienrummel um die zweite Welt im Internet ist beeindruckend. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Unternehmen Vollzug meldet, es sei "jetzt auch drin". Aber auch über die Landesgrenzen hinaus sind nach einer ersten Medienwelle die Marketingtrommeln leiser geworden. Vermehrt werden kritische Stimmen laut, die von den auf der Einstiegsseite genannten Zahlen der Betreiberfirma Linden Lab unterstützt werden: Von den insgesamt rund 5,5 Millionen registrierten Avataren finden sich selten mehr als 30.000 gleichzeitig im Second Life – und das auf einer virtuellen Fläche, die doppelt so groß ist wie das reale Stuttgart. Viele Inseln wirken deshalb verwaist und leer.

Auch die immer wieder zitierten Fälle, in denen Nutzer von ihrer Online-Existenz leben, sind überschaubar: Nach Linden-Lab-Angaben haben im März weltweit nur 825 User mehr als 1000 reale Dollar verdient. Die Gegner der zweiten Welt könnten also mehr und mehr Zuspruch bekommen. Einer von ihnen betreibt auf einer Satire-Homepage einen T-Shirt-Versand. Deren Aufdrucke fordern dazu auf, sich doch ein "erstes Leben" zuzulegen. (Christian Fahrenbach, dpa) / (anw)