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Erste Cebit-Konferenz zu Digitalwerbung diskutiert über Influencer

Firmen tun sich schwer, passende Influencer zu finden – und machen eigene Mitarbeiter zu Jobbotschaftern. Social-Media-Nutzer sollen Teil einer Bewegung sein.

Erste Signal Conference auf der Cebit

Podium der ersten Cebit!signals-Konferenz: Daniel Pannrucker (zweiter v. r.) und Hans Piechatzek (zweiter v. l.)

(Bild: Valerie Lux)

Auf der Signals-Konferenz zu Digitalwerbung auf der Cebit zeigte sich, dass Influencer immer noch das beherrschende Thema des Online-Marketing sind. "Wir sind in unserer Marketingstrategie teilweise auf Jugendliche angewiesen, die noch nicht mal einen Schulabschluss haben", sagte Hans Piechatzek, Vizepräsident des Deutschen Marketing Verbands.

Piechatzek bemängelte gleichzeitig die Intransparenz der Kosten, die damit einhergehe. "Viele Influencer entscheiden aus dem Bauch heraus, ob sie 100 oder 12.000 Euro für einen bezahlten Post nehmen würden." Für Unternehmen sei es zu einer zunehmenden Herausforderung geworden, die richtigen einflussreichen Social-Media-Nutzer zu finden, die zu ihnen passen und entsprechende Unternehmenswerte vertreten.

Jeder Vortrag auf der zum ersten Mal stattfindenden Signals-Konferenz zielte auf die derzeit drängendste Frage des Onlinemarketing: Wie gehe ich richtig mit Influencern um? Dass Geschäftsbeziehungen mit der Influencerin eine terra incognita darstellen und es an vergleichbaren Plattformen fehle, war ein gängiges Urteil. Dass es an Vergleichbarkeit mangele, ein anderes.

"Die meisten Agenturen fangen mit einer Exceltabelle und Word-Dokumenten an, wo sie die Influencer zu passenden Kategorien einsortieren," erzählte Daniel Pannrucker von der Werbeagentur The Story Lab. Er vermisse eine übergreifende Plattform, die alle Influencer aufliste und mit den entsprechenden Kennzahlen und Followerzahlen versehe.

Das Start-Up InfluencerDB stände mit dem Angebot des Aufbaus einer weltweiten Influencer-Datenbanken alleine im Wettbewerb. Ersetzt bald Künstliche Intelligenz PR-Agenturen? Künstliche Intelligenz sei für das Influencer-Marketing noch nicht relevant, denn das Schwierigste für eine Maschine sei es, Kreativität zu erlernen, lautete das übereinstimmende Urteil der Agenturinhaber.

"Ich prognostiziere ein weiterhin starkes Wachstum für das Influencermarketing, denn diese stellen sich entsprechend auch immer professioneller auf. Der Markt ist noch lange nicht gesättigt", sagte Tim Prien von der Goldmedia Agentur. "Wer nicht in Social-Media-Kanälen präsent ist, ist quasi nicht existent", ergänzte Pannrucker.

Doch was ist mit den Unternehmen, die nicht direkt Produkte für Konsumenten herstellen? Im Geschäft zwischen Zulieferer und Unternehmen (dem B2B-Bereich) brauche man keine Influencer, sondern Key Opinion Leaders – also Experten, übersetzte Franziska von Lewinski von der PR-Agentur FischerAppelt diesen Terminus. Sie verwahre sich gegen das brancheninterne Geunke, B2B stände für "boring to boring". Im B2B-Marketing würde es nicht um den emotionalen Bekanntheitsgrad der Marke, sondern den tatsächlichen fachlichen Inhalt des Produkts gehen, sagte sie auf einer "Cebit Expert Stage" in Halle 27, die an diesem Tag unter dem Motto "Digitale Bildung" stand.

Martin Frommhold, Pressesprecher von OTTO, sprach über sein Konzept des Versandhändlers, eigene Mitarbeiter als "Corporate Influencer" auszubilden. "Wir stehen in einem großen Wettbewerb um Fachkräfte", sagte Frommhold. "Uns ist aufgefallen, dass wir eine positive Bewerberresonanz erhalten, wenn wir Mitarbeiter zu Jobmessen schleppen“, sagte Frommhold. Wenn potentielle Bewerber mit Mitarbeitern direkt in Kontakt treten würden, erhielte man einen unverfälschten Eindruck vom Unternehmen.

OTTO würde deswegen Mitarbeiter als "Jobbotschafter" ausbilden. Wie motiviere man Mitarbeiter zum Mitmachen? "Die haben häufig Lust mitzumachen, wenn sie über das eigene kollegiale Umfeld mitentscheiden und beeinflussen können, wer Teil ihres Teams wird." Als Jobbotschafter lerne man die Basics von Instagram und Twitter und die Regeln, wie man ein Job-Recruiting-Gespräch führt.

Alexander Giesecke und Nico Schork präsentierten im Bereich "Edutainment" den Erfolg ihrer YouTube-Plattform "The Simple Club". Ihr Unternehmen bietet eine große Palette von kurzen Lehr-Animationsvideos als Schulnachhilfe an. The Simple Club folgen mittlerweile 2,5 Millionen Abonnenten, ein Großteil der in Deutschland an Schulen eingeschriebenen Jugendlichen. Der beste Zeitpunkt für den Absatz ihres Produkts sei der 2. Mai 2017 gewesen: "Das war einen Tag vor dem Mathe-Zentralabitur", so Schork. "Doch natürlich haben wir auch ein schlechtes Gewissen, dass unser Geschäftsmodell auf dem Versagen von überalterten Schulstrukturen aufbaut".

Die wichtigste Regel für modernes Marketing sei es, eine "Bewegung" zu formieren, erzählten die Gründer. Beide würden viele "Ein-Spur-Unternehmen" beobachten, die auf ihre Zielgruppe Informationen einprasseln lassen, ohne dass mit ihnen interagiert werde. "Doch in dem Moment, wo du ehrliches Feedback von den Nutzern einforderst, haben sie das Gefühl, dass sie mit deiner Marke Teil einer Gemeinschaft sind". The Simple Club sei nur in ständiger Absprache mit den Nutzern entstanden. Das sei für sie die wichtigste Botschaft für Werbung in sozialen Medien: Den Nutzer ernst nehmen und ihn nicht als Einweg-Konsumenten verstehen. (Valerie Lux) / (tiw)

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