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Erste Operation in der Schwerelosigkeit geglückt

Zum ersten Mal wurde am heutigen Mittwoch von französischen Ärzten erfolgreich eine Operation in der Schwerelosigkeit durchgeführt. Dabei handelte es sich um einen Teil einer langfristig angelegten Versuchreihe, mit der geklärt werden soll, ob und wie Operationen im All – etwa auf der Internationalen Raumstation – möglich wären.

Die jetzt erfolgreich abgeschlossene Operation sollte demonstrieren, dass die Schwerelosigkeit kein unüberwindbares Hindernis darstellt, wie Dominique Martin von der Universitätsklinik Bordeau erklärte. Es habe sich lediglich um einen "Machbarkeitstest" gehandelt. Während eines dreistündigen Fluges in einer extra für den Versuch umgebauten Airbus A300 Zero-G von Novespace hatten die 5 Ärzte bei einem 46-jährigen Patienten, der sich für den Test zur Verfügung gestellt hatte und als Bungee-Springer an abrupten Veränderungen der Schwerkraft gewöhnt ist, einen gutartigen Tumor am Unterarm entfernt.

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Patient, der eine lokale Anästhesie erhielt, und Ärzte befanden sich in einem Plastikzelt innerhalb der Kabine und hatten sich mit Gurten fixiert. Die eigens für die Bedingung der Schwerelosigkeit entwickelten Instrumente waren mit Magneten ausgestattet, um sie am Operationstisch aus Metall anbringen zu können. Das Flugzeug führte sogenannte Parabelflüge aus, bei denen für kurze Zeit Schwerelosigkeit erzeugt wird. Insgesamt dauerte die Operation knapp 8 Minuten während 32 Schwerelosigkeitsphasen, die jeweils etwa 20 Sekunden dauerten.

Martin erklärte, es habe während der Operation keine besonderen Schwierigkeiten gegeben. Würde man zwei Stunden kontinuierliche Schwerelosigkeit haben, so ließe sich ohne Weiteres auch eine Blinddarm-Operation ausführen. Schwere und sehr komplizierte Operationen seien aber nicht möglich.

Da die Anwesenheit von drei Chirurgen und zwei Anästhesisten aber weder auf einer Raumstation, noch auf einem Stützpunkt, beispielsweise auf dem Mond, gewährleistet werden kann, soll der nächste Versuch in Kooperation mit der europäischen Weltraumorganisation ESA mit einem von der Erde über Satellit ferngesteuerten Operationsroboter ausgeführt werden. Für Martin stellt dieser Versuch, der nächstes Jahr stattfinden soll, wenn die Techniik so weit ist, den "wirklichen Beginn der satellitenbasierten Telechirurgie dar". Das sei "die Chirurgie von morgen".

Medizinprofessor Pierre Vaida, der Teil des Teams war, erklärte gegenüber BBC News, dass die Internationale Raumstation nur 400 Kilometer von der Erde entfernt sei. Daher könne man Astronauten meist noch für eine Operation zur Erde bringen. Für größere Entfernungen, bei denen die Reise länger dauern würde, müsse man über Telemedizin- und Teleoperationstechnologien verfügen. Die für den Weltraum entwickelten Techniken, so Vaida, könne man auch für Notfallsituationen auf der Erde einsetzen, beispielsweise in Höhlen oder durch Erdbeben verschütteten Gebäuden. (fr)

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