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Erster Internet-Provider mit P2P-Lizenz

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Der britische Internet-Anbieter Playlouder MSP gab jetzt bekannt, erstmals ab Anfang nächsten Jahres einen legalen Zugriff auf Tauschbörsen zu ermöglichen. Dazu hat die Firma Lizenzverträge mit den zuständigen Verwertungsgesellschaften und einigen britischen Indie-Plattenfirmen abgeschlossen. Bisher sind unter anderem die Labels V2, PIAS und Ninja Tune mit an Bord. Gleichzeitig erklärte die Firma, dass man sich auch im Gespräch mit allen großen Plattenfirmen befinde. Martin Mills von der ebenfalls beteiligten Beggars Group erklärt dazu: "Playlouder ermöglicht es Plattenfirmen endlich, von Tauschbörsen zu profitieren."

Kunden des Playlounder-Internet-Angebots sollen für umgerechnet rund 45 Euro neben einem klassischen DSL-Zugang einen möglichst umfassenden Zugriff auf den kompletten Katalog der beteiligten Plattenfirmen bekommen. Das verwendete Dateiformat hängt dabei von den Lizenzvereinbarungen mit den jeweiligen Plattenfirmen ab. Bisher seien allerdings alle beteiligten Labels mit der Verbreitung ihrer Musik im MP3-Format einverstanden gewesen. Die Titel sollen als Streams zur Verfügung stehen und zusätzlich von Playlouder in P2P-Netzwerke eingespeist werden. Letztlich bleibe es den Nutzern überlassen, wie und mit welchen Programmen sie sich ihre Musik besorgen wollen. "Wir beabsichtigen, alles uns technisch mögliche zu tun, um diesen Prozess reibungslos, zuverlässig, risikofrei und schnell zu machen", meinte Playlouder MSP-Direktor Paul Sanders gegenüber heise online. Dazu gehöre auch ein zentrales Verzeichnis von Hash-Werten, das den Download über P2P-Netzwerke vereinfachen soll.

Ganz ohne Beschränkungen kommt das Angebot jedoch nicht aus. Zwar werden sich die Playlouder-Nutzer ihre Songs ganz legal mit Gnutella-Software und ähnlichen Programmen besorgen können. Doch getauscht werden kann nur mit P2P-Fans, die ebenfalls Playlouder-Kunden sind. An den Grenzen des Provider-Subnetzes soll jeglicher P2P-Verkehr blockiert werden, sodass Verbindungen zu Kazaas Fasttrack-Netzwerk und anderen P2P-Netzen unmöglich sind. "Damit optimieren wir die Such- und Transfer-Leistung unserer Nutzer", erklärt Sanders. Gleichzeitig ermöglichten solche Beschränkungen die Lizenzierung der Musik. Der Wegfall hoher Traffic-Kosten erlaube zudem, mehr in das inhaltliche Angebot zu investieren.

Mit derartigen Beschränkungen läuft Playlouder Gefahr, auch zahlreiche legale P2P-Nutzungsmöglichkeiten zu blockieren. Laut Sanders will man jedoch durch zentrale Web-Publishing-Tools und Blogging-Systeme Alternativen zum Verbreiten von Inhalten über P2P-Netze anbieten. Gleichzeitig glaube man, dass Hardcore-P2P-Nutzer sowieso besser bei der Konkurrenz aufgehoben seien. "Wir zweifeln an den Motiven von jemandem, der eine riesige Sammlung von Musikdateien anlegt, ohne sie jemals anzuhören und nur um sie völlig Unbekannten zum Download anzubieten", erklärte Sanders. "Solch eine Person ist wahrscheinlich nicht an den Musikangeboten interessiert, die wir einzelnen Abonnenten und unserer gesamten Community anbieten werden." (Janko Röttgers) / (jk)