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Erster Streik bei Amazon in Leipzig im neuen Jahr

Das vergangene Weihnachtsgeschäft hat Verdi für zahlreiche Streiks bei Amazon genutzt. Jetzt beginnt der erste Streik für das Jahr 2016. Verdi setzt zukünftig aber auch auf Verhandlungen zu der Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags im Einzelhandel.

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(Bild: dpa, Bernd Thissen)

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Bei Amazon in Leipzig hat die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch das erste Mal im neuen Jahr zum Streik aufgerufen. "Da in einigen Bundesländern heute Heilige Drei Könige als Feiertag begangen wird, kann es im Betrieb ziemlich eng werden", sagte Verdi-Streikleiter Thomas Schneider mit Blick auf das Amazon-Geschäft in Deutschland. Derzeit würden viele Gutscheine eingelöst, zudem sei die Anzahl der Retouren hoch.

Die Amazon-Mitarbeiter in Leipzig streiken am Mittwoch gemeinsam mit den Kollegen in Rheinberg und Werne (NRW). Da in Bayern und Baden-Württemberg wegen des Feiertags nicht gearbeitet wird, seien damit nur drei Amazon-Standorte regulär in Betrieb, sagte ein Verdi-Sprecher: Berlin, Koblenz (Rheinland-Pfalz) und Bad Hersfeld (Hessen).

Die Gewerkschaft will auch 2016 ihren Forderungen nach einem Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels für die 10.000 Mitarbeiter des US-Konzerns in Deutschland weiter Ausdruck verleihen. Amazon verweigert die Aufnahme von Verhandlungen, hat aber wegen der Streiks in den vergangenen drei Jahren die Gehälter mehrfach leicht erhöht. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft setzte Verdi zudem nicht nur auf Streiks, sondern auch auf Gerichtsentscheidungen, um den Betrieb bei Amazon zu stören.

Verdi-Chef Frank Bsirske setzt für 2016 aber auch noch auf einen anderen Hebel – die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags im Einzelhandel. Ende Dezember 2015 erklärte er, dass Verdi bereits "in Verhandlungen unter anderem über eine neue Entgeltstruktur" sei. Wenn es dort in den nächsten Monaten Ergebnisse gäbe, wäre das Thema der Allgemeinverbindlichkeitserklärung "auf der Tagesordnung".

Bsirske betonte: "Dieser Schritt würde auch Amazon betreffen." Denn die Politik sei bereit, das Tarifsystem in Deutschland zu stärken. Hintergrund ist, dass Regelungen eines Tarifvertrages einer Branche für alle Beschäftigten dieses Industriezweigs gelten, wenn das Bundesarbeitsministerium ihn für allgemeinverbindlich erklärt. Das gilt dann auch für jene, die in nicht tarifgebundenen Unternehmen arbeiten. (mit Material der dpa) / (kbe)