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Erster Transport von Atommüll auf einem Fluss in Deutschland begonnen

Auf dem Neckar schippert nun ein Transportschiff mit ausgedienten Brennelementen. Laut Energieversorger EnBW habe man verschiedene Transportarten genau gegeneinander abgewogen. Die Fahrt auf dem Neckar sei "sicher durchführbar".

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Der Energiekonzern bewirbt den Transport per Schiff auf seiner Homepage. Das Bild diente der Veranschaulichung des Vorhabens.

(Bild: EnBW )

Der umstrittene erste Transport von Atommüll auf einem Fluss in Deutschland hat unter erhöhtem Polizeischutz begonnen. Am Morgen gegen 6 Uhr legte am stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg ein Spezialschiff mit drei Castoren ab, wie der Energieversorger EnBW am Mittwoch mitteilte. Die Behälter mit verbrauchten Brennelementen sind für ein Zwischenlager in Neckarwestheim bestimmt. Gegner hatten Proteste angekündigt.

EnBW plant insgesamt fünf Fahrten mit je drei Castoren von Obrigheim. Damit bringt das Unternehmen insgesamt 342 ausgediente Brennelemente ins rund 50 Flusskilometer entfernte Neckarwestheim. Es wirbt damit, dass die Verlagerung der Brennelemente nach Neckarwestheim den Bau eines weiteren Zwischenlagers "überflüssig" mache und sich so Verzögerungen "beim sicheren Rückbau" des AKW Obrigheim vermeiden lassen.

[update] Für die etwa 50 Kilometer lange Strecke auf dem Neckar wurde eine Fahrzeit von etwa zwölf Stunden erwartet. Die Polizei bewacht den Transport unter anderem mit Booten, einem Hubschrauber und Einsatzkräften am Ufer. "Der riesige Aufwand der Polizei widerlegt alle Beteuerungen, das Schiff wäre ausreichend gegen Terror-Attacken gesichert. Wenn dem so wäre, dann würde es völlig ausreichen, ein paar Beamte abzustellen", sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt". Der Transport auf dem Fluss sei "eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen".

Nach dem Ablegen in Obrigheim fuhr der sogenannte Schubverband aus Schubleichter und Schubboot zunächst neckarabwärts zur etwa zehn Kilometer entfernten Schleuse Guttenheim und wendete dort. "Riskante Experimente auf dem Wasser", kritisierte die Umweltschutzorganisation Robin Wood per Twitter. EnBW widersprach: "Das Manöver wurde beim Funktionstest Februar/März 2017 erprobt."

In den Castoren befindet sich unter anderem Plutonium. Ein Behälter wiegt beladen 107 Tonnen. Jeder der drei Container ist der EnBW zufolge auf einem Fahrzeug auf dem Schiff befestigt. Die Fahrzeuge seien bei der Verladung in Obrigheim direkt auf das Schiff gerollt und würden dort während der gesamten Fahrt neckaraufwärts verbleiben. [/update]

In Deutschland sind noch acht Atomkraftwerke im Betrieb. Bis 2022 soll das letzte AKW stillgelegt werden.

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Am vergangenen Wochenende hatten rund 50.000 Teilnehmer eine Menschenkette vom Atomkraftwerk Tihange in Huy bei Lüttich über die Niederlande bis nach Aachen gebildet. Sie protestierten mit der Aktion gegen die belgischen Atomkraftwerksblöcke Doel 3 und Tihange 2, deren Sicherheit wegen Tausender Mikrorisse umstritten ist.

In Österreich wurde zudem in der vergangenen Woche im sogenannten "sichersten Atomkraftwerk der Welt" in Zwentendorf – einem Atomkraftwerk, das nie in Betrieb genommen wurde – der Roboterwettbewerb Enrich ausgetragen. Verschiedene Teams mussten innerhalb des Kraftwerks mit ihren Robotern Zylinder mit Kobalt-60 ausfindig machen und einsammeln. Der Wettbewerb sollte auf den nächsten Ernstfall vorbereiten.

Sieben AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – soll 2021 folgen. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

[Update, 28.06.2017, 10:10 Uhr]: Weitere Informationen zum Transport ergänzt. Fehler aus dem Anriss entfernt.

(mit Material der dpa) / (kbe)