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Erster entdeckter interstellarer Asteroid hat außergewöhnliche Form

Einen Monat nachdem Astronomen den ersten interstellaren Asteroiden in unserem Sonnensystem entdeckt haben, wissen sie nun, wie er wohl aussieht. Beobachtungen zufolge ist er auffallend langgezogen. Aus dem Sternsystem Wega kommt er nicht.

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Erster entdeckter interstellarer Asteroid hat außergewöhnliche Form

Künstlerische Darstellung des auffallend langgezogenen interstellaren Asteroiden `Oumuamu.

(Bild: ESO/M. Kornmesser)

Der erste entdeckte Asteroid, der nicht aus unserem Sonnensystem stammt, ist ungewöhnlich lang und von roter Farbe. Das hat die Europäische Südsternwarte durch Beobachtungen mit dem Very Large Telescope herausgefunden, das den Asteroiden umgehend nach seiner Entdeckung zu analysieren begonnen hat. Ihre Ergebnisse stellen sie im Magazin Nature vor. Der Asteroid war zuerst für einen Kometen gehalten worden, dann aber als Asteroid klassifiziert und inzwischen auf 1I/2017 U1 (ʻOumuamua) getauft worden – als erstes Objekt mit der neuen Terminologie für interstellare Asteroiden. Der Begriff "ʻOumuamua" ist hawaiianischen Ursprungs und beschreibt einen Boten, der aus der fernen Vergangenheit geschickt wurde, um uns zu kontaktieren.

Interstellarer Asteroid bzw. Komet ʻOumuamua (1I/2017 U1) (4 Bilder)

1I/2017 U1 (ʻOumuamua) auf einer zusammengesetzten Aufnahme der ESO.
(Bild: ESO/K. Meech et al.)

Wie die Astronomen nun erläutern, weist ʻOumuamua auf den Aufnahmen enorme Helligkeitsunterschiede auf. Die deuten demnach darauf hin, dass der Asteroid ungefähr zehnmal so lang wie breit ist und eine komplexe, gewundene Form aufweist. Außerdem sei er von dunkelroter Farbe, ähnlich den Objekten im äußersten Sonnensystem. Weiterhin habe man bestätigt, dass der interstellare Asteroid völlig inaktiv ist und von keinerlei Staub in seiner direkten Umgebung begleitet wird. ʻOumuamua sei also ein kompaktes Objekt, möglicherweise aus Gestein oder aus einem hohen Anteil von Metall und enthält keine signifikanten Mengen an Wasser oder Eis. Er wird auf eine Länge von mindestens 400 Metern geschätzt.

Bereits kurz nach der Entdeckung dieses ersten bekannten interstellaren Asteroiden im Oktober war berechnet worden, dass der aus der Richtung des Sterns Wega im Sternbild Leier ("Lyra") ins Sonnensystem eingedrungen ist. Doch trotz seiner immensen Geschwindigkeit von etwa 95.000 Kilometern pro Stunde, war der Stern nicht an dieser Position, als 1I/2017 U1 dort vor etwa 300.000 Jahren war. ʻOumuamua könnte also seit Hunderten Millionen Jahren durch die Milchstraße gereist sein, ohne an ein Sternsystem gebunden gewesen zu sein. Durch die Gravitation der Sonne wurde er nun auf 158.400 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Die Astronomen schätzen, dass etwa einmal pro Jahr solch ein interstellarer Asteroid das Sonnensystem durchquert und bereiten sich nun auf den nächsten vor.

Quelle: ESO, M. Kornmesser, L.Calcada. Music: Azul Cobalto

[Update 21.11.2017 – 10:55 Uhr] Der Asteroid enthält keine signifikanten Mengen an Eis, nicht Eisen. Das wurde korrigiert. (mho)

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