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Erstes werbefinanziertes P2P-Musikportal kurz vor dem Start

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Heute Nacht um null Uhr Ostküstenzeit geht QTrax an den Start – mit dem Anspruch. die erste völlig legale und dabei werbefinanzierte P2P-Tauschbörse zu werden. Nutzer können über die Börse bis zu 25 Millionen Musikstücke legal und kostenlos herunterladen, verspricht Qtrax. Das vor fünf Jahren gestartete Unternehmen präsentierte sich heute mit großem Aufwand auf der Musikmesse Midem in Cannes. Die Lizenzierung der Musik bei allen großen Plattenfirmen und die Absprachen mit den Rechteverwertern sei die größte Hürde gewesen, sagte QTrax-Chef Allan Klepfisz.

Um die Legalität des Angebots zu unterstreichen, trugen QTrax-Mitarbeiter auf der Midem Shirts mit dem Aufdruck: "Wir werden nicht noch einmal verklagt."

Der Clou des Angebotes dürfte der Ansatz sein, Musikindustrie und Künstler entsprechend der Zahl der Suchanfragen und Downloads ihrer Stücke abzufinden. Suchanfragen und Downloads werden mit Anzeigen garniert, für die QTrax große Werbekunden gewonnen haben, darunter etwa McDonald's, eBay oder T-Mobile. Für die Anzeigenkunden sei die Verbindung mit den für ihre Zielgruppen interessante Musik spannend. Es gebe vermutlich für jeden Song, auch für spezielle Musikrichtungen, einen Anzeigenkunden, der sich gerade für die entsprechenden Liebhaber interessiere.

Über die Modelle zur Aufteilung der Werbeeinnahmen ließ sich Klepfisz nicht aus. Sein Unternehmen erhalte aber einen kleinen Anteil, der Löwenanteil gehe an die Musikindustrie und den Künstler, die sich diesen Anteil dann wiederum teilen. "Wir sind zufrieden mit einem kleinen Minderheitsanteil. Wenn der Dienst gut läuft, dürfte das durchaus ein bisschen Geld einbringen", sagte Klepfisz.

Nicht wirklich in die Karten schauen ließ sich Klepfisz bei den technischen Details. Zur Gefahr, dass von QTrax nicht lizensierte Tracks über das Portal gehen, sprach er von einer Blacklist, die allerdings immer kleiner werde. QTrax habe "mächtige Server", auf denen geprüft würde, was ins Netzwerk geht. Gleichzeitig werde dort auch die Qualität überprüft. Man werde auf jeden Fall besser sein als Limewire. Ad-, Spyware oder Viren müssten die Nutzer nicht mehr befürchten, versicherte er.

Allerdings beginnen hier die weniger angenehmen Fragen zu dem ambitionierten Dienst, der noch im Februar auf auf einem mobilen Gerät, im März auf dem Mac und im April auf dem iPod verfügbar gemacht werden soll, wenn alles nach Plan laufe. Karlheinz Brandenburg, Direktor des Instituts für Digitale Medientechnologie, kommentierte den Launch eher skeptisch: "Es fehlt mir noch an ausreichend Informationen zu einer abschließenden Bewertung. Aber der zwingende Einsatz eines bestimmten Players und Browsers zum Abspielen der Musik könnte den Verdacht aufkommen lassen, dass da mal wieder jemand meinen Rechner übernehmen will."

Der Einsatz von Microsofts DRM, aber auch die Einbindung auf anderen Plattformen wie dem iPod, mache eine Transcodierung der übertragenen Musik notwendig. Dabei müsse man mit einer Verschlechterung der Qualität rechnen. Er sei immer dann etwas skeptisch, wenn ihm jemand mitteile, "alles wird ganz toll, aber ich sage dir nicht, wie es funktioniert". (Monika Ermert) / (ola)

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