Menü

Erstmals Wiedergabe von Ultra HD Blu-rays am PC - zumindest in der Theorie

Bislang ließen sich ultrahochaufgelöste "4K"-Videos von Ultra HD Blu-rays nur über Standalone-Player abspielen. Cyberlink ändert dies mit seiner Media-Player-Software "PowerDVD 17 Ultra". Die Hürden bis zum UHD-Videogenuss sind jedoch hoch.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 237 Beiträge
Erstmals Wiedergabe von Ultra HD Blu-rays am  PC - zumindest in der Theorie

(Bild: Screenshot)

Anzeige
CyberLink: PowerDVD 17.0 Ultra (deutsch) (PC)
CyberLink: PowerDVD 17.0 Ultra (deutsch) (PC) ab € 43,99

Die große Zeit der Media-Center-PCs ist vorbei – nicht zuletzt, weil viele Nutzer heute Videos über TV-Boxen wie Nvidia Shield wiedergeben. Eine Fangemeinde für den Rechner als Medienzentrale hält sich jedoch wacker; manche aus diesem Kreis geben auch optische Medien über ihre Systeme wieder. Allerdings lassen sich auf diesem Wege bislang die neueren Ultra HD Blu-rays (UHD-BDs) nicht abspielen, auf denen Filme und Serien in "4K"-Auflösung (3840 × 2160 Bildpunkte) gespeichert sind.

Dies ändert Cyberlink mit der "Ultra"-Version seiner jetzt erschienenen Media-Player-Software PowerDVD 17, die die HEVC-kodierten und mit dem Kopierschutz AACS 2.0 auf der Disc gespeicherten Videos in voller Auflösung auf passende Monitoren und Fernsehern ausgibt.

Dabei unterstützt der Player auch die Wiedergabe von Titeln, die Videobilder mit erhöhtem Kontrast (High Dynamic Range, HDR) nach dem bei UHD-BDs bislang eingesetzten Format HDR-10 enthalten. Allerdings sieht man die momentan eher auf Fernsehern als auf Monitoren – wozu passt, dass Cyberlink eine neue Bedienoberfläche für die Wiedergabe am TV erschaffen hat. Dank "TrueTheater HDR"-Funktion rechnet die Ultra-Fassung auf Knopfdruck sogar Videos mit üblichem Kontrastumfang (Standard Dynamic Range, SDR) in HDR-10 um. Das in den Startlöchern stehende HDR-Konkurrenzformat Dolby Vision unterstützt PowerDVD nicht; laut Cyberlink fehlt es dafür bislang an einem passenden SDK von Dolby.

Cyberlinks UHD BD Advisor prüft die komplizierten Voraussetzungen für die Wiedergabe unter Windows 10.

Nach den Erfahrungen mit den bereits seit längerer Zeit erhältlichen Standalone-Playern für UHD-BDs war klar, dass man für die Wiedergabe einen Fernseher oder Monitor mit einer HDMI-Eingang nach der Spezifikation 2.0 benötigen würde, der mit dem Schnittstellen-Kopierschutz HDCP 2.2 gesichert ist. Wer HDR nutzen will, braucht zudem erwartungsgemäß ein mit der passenden Wiedergabetechnik ausgestattetes Anzeigegerät.

Die rechnerseitigen Hürden, die – auf Druck der Blu-ray Disc Association als zuständige Zertifizierungsstelle – bis zum Erscheinen des ersten ultrahochaufgelösten Videobildes auf einem 4K-Display zu überwinden sind, sind aber dann doch überraschend hoch. So klappt UHD-BD-Wiedergabe aktuell nur mit Desktop-Prozessoren der Kaby-Lake-Familie sowie mit Mobil-Quads – also nicht mit den viel weiter verbreiteten Notebook-Doppelkernen wie dem Core i5-7200U. Von den Intel-Prozessoren der Generation Kaby Lake funktioniert es wiederum nur mit den neuesten Core i3/i5/i7-7000 -- und nicht einmal mit allen davon. Tatsächlich muss ein Grafikprozessor (IGP) vom Typ "HD Graphics 630" intergriert sein.

Mit Grafikkarten von AMD und Nvidia kooperiert PowerDVD 17 Ultra bei der UHD-BD-Wiedergabe derzeit im Allgemeinen nicht. An der Unterstützung arbeitet Cyberlink nach eigenen Angaben allerdings, etwa für einige Gaming-Notebooks mit Nvidia-Chips. Ein Kaby-Lake-Prozessor ist aber auch dabei Pflicht.

Einer der Gründe für den Zwang zu neuesten Intel-Prozessoren ist die Spezialfunktion "Software Guard Extensions" (SGX). Sie ist zwar schon seit der CPU-Generation Skylake eingebaut, doch fehlt dort noch HDCP 2.2. SGX muss man übrigens oft ausdrücklich im BIOS-Setup einschalten. Derzeit gibt es keine AMD-Prozessoren, die SGX oder eine kompatible Funktion besitzen.

Als Betriebssystem schreibt Cyberlink beziehungsweise Hollywood für die UHD-BD-Wiedergabe zwingend Windows 10 vor – und zwar inklusive Windows Media Player. Der Grund für letztere Voraussetzung ließ sich bislang nicht abschließend klären; denkbar ist aber, dass PowerDVD 17 Ultra DRM-Mechanismen von Windows nutzt, die mit dem Media Player installiert werden.

Das bei der Päsentation genutzte UHD-BD-Laufwerk von Pioneer hatte Cyberlink extra aus Japan importiert.

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Schließlich benötigt man für die UHD-BD-Wiedergabe ein passendes Laufwerk. Die gewöhnlichen BDXL-Drives, die man bereits auf dem deutschen Markt bekommt, reichen dabei nicht – auch wenn die 4K-Scheiben durchaus dieser Disc-Spezifikation folgen. Allerdings verlangt PowerDVD 17 Ultra, dass auch das Laufwerk AACS 2.0 unterstützt. Ein auf dem deutschen Markt erhältliches Modell, das diese Voraussetzung erfüllt, ist uns aktuell nicht bekannt. Cyberlink brachte für die Vorführung eigens ein aus Japan importiertes UHD-BD-Laufwerk von Pioneer mit. Dieses wird dort mit einer Ultra-Fassung der OEM-Version von PowerDVD 14 gebundelt. Pioneer ist hierzulande aber praktisch nicht mehr als Anbieter tätig.

Cyberlink liefert zu PowerDVD Ultra 17 das Windows-Tool "UHD BD Advisor", das alle Voraussetzungen für die UHD-BD-Wiedergabe prüft. Wir haben es mit einem Mini-PC von Intel mit HDMI-2.0-Port ausprobiert, dem NUC7I3BNK mit Core i3-7100U. HDCP 2.2 wurde hier erst nach einem Firmware-Update des DisplayPort-HDMI-2.0-Wandlerchips (LSPCon) erkannt; das Update stellt Intel auf der Webseite bereit. Die Wiedergabe von UHD BD würde aber auf diesem System nicht funktionieren – es unterstützt den "erweiterten geschützten Audio-/Videopfad" nicht. Ob das an der HD Graphics 620 liegt oder am (VGA-)BIOS oder am Grafiktreiber, ließ sich nicht klären. Ein UHD-BD-fähiges BD-Laufwerk mit AACS 2.0 stand uns ohnehin nicht zur Verfügung.

Neben dem UHD-BD-Playback ist vor allem die Unterstützung für VR-Videos hinzugekommen. So lassen sich nun 360-Grad-Videos und -Fotos auf den VR-Brillen Oculus Rift und HTC Vive wiedergeben. Auch die YouTube-Unterstützung wurde entsprechend erweitert – und umfasst nun auch Full-HD, 4K-, 360- und 3D-360-Inhalte. Neu hinzugekommen ist schließlich ein Cloud-Dienst, auf dem man Medien hoch- und runterladen kann. Auch ein Streaming direkt von der Cloud soll möglich sein. Der "CyberLink Cloud-Service" bietet einen Kapazität von 30 GByte, ein Jahr Nutzung ist im Kaufpreis eingeschlossen.

Apropos Preis: Die Ultra-Version kostet laut Liste rund 100 Euro, was einen Aufschlag von 20 Euro gegenüber der Pro- und 50 Euro gegenüber der Standard-Ausführung bedeutet. Update von früheren Versionen sind ab 50 Euro erhältlich. Cyberlink bietet weiterhin ein Abonnement-Modell (15 Euro für drei Monate, 45 Euro für ein Jahr) an.

Letztlich bleibt eine verschwindend geringe Anzahl brandneuer Computer übrig, auf denen PowerDVD 17 Ultra UHD-BDs abspielen könnte - falls man an ein Laufwerk kommt. Ältere Rechner lassen sich kaum sinnvoll für die UHD-BD-Wiedergabe aufrüsten, es sein denn durch Austausch des Mainboards. Notebooks und Mini-PCs bleiben ohnehin außen vor. (Christof Windeck, Nico Jurran) / (nij)

Anzeige
Anzeige