Erzbischof von Westminster warnt vor Social Networking

Internet und Mobiltelefone tragen nach Ansicht des Primas der Katholiken von England und Wales dazu bei, dass die Menschen ihre sozialen Fähigkeiten verlieren.

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Vincent Nichols, seit Mai 2009 Erzbischof von Westminster und Primas der Katholiken in England und Wales, warnt vor möglichen Auswirkungen des Social Networking. Insbesondere Jugendliche seien durch exzessive Betätigung auf Websites wie MySpace oder Facebook gefährdet, da sie dort flüchtige Beziehungen mit anderen Menschen führten und Probleme bekommen können, wenn dieses Netz zusammenbricht. Internet und Mobiltelefone entmenschlichten das Gemeinschaftsleben, sagte Nicols in einem Interview mit dem Sunday Telegraph. Er bezieht sich damit auf den Tod einer 15 Jahre alten Schülerin, die eine Überdosis Schmerztabletten zu sich genommen hatte, nachdem sie im Social Network Bebo schikaniert wurde.

Das Kommunizieren mit dem Handy und damit einhergehende nachlassende direkte Kontakte hätten bereits zu einer Schwächung der Beziehungen geführt, die Menschen verlören ihre sozialen Fähigkeiten. Dabei sei es wichtig, über das Geschriebene oder Gesprochene hinaus den gesamten Ausdruck eines Menschen wahrzunehmen, um seine Gemütsverfassung und den Ausdruck in seiner Körpersprache zu erkennen. Die Fähigkeit, direkt mit anderen Menschen zu kommunizieren, sei eine sehr wichtige Voraussetzung für den Zusammenhalt der Menschen.

Social Networks tragen nach Ansicht des Erzbischofs zu dem Trend bei, dass vielen Jugendlichen die reine Anzahl an Freunden wichtig ist, die ihnen die Websites anzeigen. Wahre Freundschaft sei aber keine Massenware, sondern erfordere viel Arbeit und sei – im Gegensatz zu den flüchtigen Netzbekanntschaften – beständig.

Nichols zeigte sich in dem Interview auch besorgt über die Entwicklung der britischen Gesellschaft in Richtung Individualismus. Dabei kritisierte er insbesondere Profifußballspieler, die Vertragsbruch begehen, um für ein höheres Gehalt den Verein wechseln zu können. Die Zuschauer erwarteten Loyalität, doch diese nehme immer mehr ab. Die Vereine wiederum stürzten sich in Schulden, um überhöhte Gehälter zahlen zu könne.

Die katholische Kirche selbst betreibt seit Januar einen eigenen Kanal auf der Videoplattform YouTube. Etwa zur gleichen Zeit hatte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen, "verstärkt das Medium der jungen und junggebliebenen Generation, das Internet, zu nutzen und vermehrt auch bewegte Bilder bereitzustellen". Auch zum Thema Fußball hatte sich jüngst der Vatikan geäußert. Gaetano Vallini, Chefredakteur des Osservatore Romano, kritisierte in einem Kommentar die Einkaufspolitik des Präsidenten von Real Madrid, Florentino Perez und warnte in Anlehnung an einen OECD-Bericht zu diesem Thema vor Unterwanderung des Fußballs durch organisiertes Verbrechen. (anw)