Essenszustellung mit Uber gedeiht dank Corona-Pandemie

Für das 1. Quartal meldet Uber fast 3 Milliarden Dollar Verlust. Uber Eats wächst stark, wird allerdings in 7 Ländern eingestellt.

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(Bild: dpa, Seth Wenig/AP/dpa)

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"Wirtschaftlichkeit so schnell wie möglich", bleibt Ubers "strategische Priorität", versichert Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie unter Auslassung ausgewählter Unkosten hätte es Ende 2020 eine Art Gewinn geben sollen ("Adjusted EBITDA"). Die Coronavirus-Pandemie macht das unmöglich. "Wir glauben, dass die durch COVID-19 verursachte Störung unseren Zeitplan im Ausmaß von Quartalen beeinflussen wird, nicht von Jahren", versuchte Khosrowshahi Optimismus zu versprühen.

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Ubers Umsatz ist im 1. Quartal um 14 Prozent auf 3,54 Milliarden Dollar gewachsen, der Betriebsverlust parallel um 22 Prozent auf 1,26 Milliarden Dollar angestiegen. Im 1. Quartal des Jahres hat das Unternehmen vor allem den Wertverlust eigener Investitionen zu verdauen gehabt. Das machte Abschreibungen von 2,1 Milliarden US-Dollar notwendig. Damit hat sich der Nettoverlust fast verdreifacht und 2,94 Milliarden Dollar erreicht.

Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Ubers Donnerstagabend haben institutionelle Anleger mehr für Uber-Aktien bezahlt. Der Kurs hat nachbörslich gut sechs Prozent zugelegt.

Die Coronavirus-Pandemie hat sich erst ab Mitte März so richtig bemerkbar gemacht. Beispielsweise ist die Zahl der Personenfahrten im April um 80 Prozent eingebrochen. Damit spiegeln die Quartalszahlen bis Ende März die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung noch nicht wirklich wieder. Der Quartalsumsatz mit der Beförderung von Passagieren hat sogar noch zwei Prozent zugelegt; jener mit der Zustellung zubereiteter Speisen und neuerdings auch von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs ("Uber Eats") ist sogar um gut die Hälfte gestiegen.

So sorgt Uber Eats beim Management für helle Freude: Seit Mitte März läge das Wachstum sogar bei 89 Prozent, weil man in den meisten Märkten nicht mehr ins Restaurant gehen darf. Rechnet man die Bestellsumme der letzten Woche auf das ganze Jahr hoch, ergäbe das 25 Milliarden Dollar, erzählte Khosrowshahi in einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten Donnerstagabend. Der Zustrom von Restaurants, Supermärkten und Tankstellenshops sei stark, zudem würden immer mehr Chauffeure neben Personen nun auch Sachen befördern.

Allerdings will sich Khosrowshahi nur in Märkten engagieren, in denen Uber mit Sicherheit Nummer 1 oder 2 bleiben oder werden könne. Entsprechend stellt die Firma Uber Eats in gleich sieben Ländern ein: Ägypten, Honduras, Rumänien, Saudi-Arabien, Tschechien, Uruguay und Ukraine. In Indien wurde die Sparte bereits abgestoßen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird sie zur Tochterfirma Careem umgeschichtet. Careem ist im Nahen Osten, Afrika und Südasien tätig.

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Ubers Barbestand ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,3 Milliarden Dollar auf knapp neun Milliarden geschrumpft. Das erfordert Sparmaßnahmen: Uber streicht selbst 3700 Stellen, zudem kündigt Careem fast einem Drittel der Belegschaft. Außerdem gibt Uber deutlich weniger für Werbung und Anwerbung aus, und stutzt die Investitionen in neue Büros in Chicago, Dallas und Mexiko City. In Verbindung mit weiteren, noch nicht verlautbarten Maßnahmen, soll das die Fixkosten um eine Milliarde Dollar pro Jahr senken.

Um mehr als die Hälfte gewachsen sind die Quartalsumsätze bei Frachtbeförderung sowie JUMP, der Tochterfirma zur Vermietung von Fahrrädern und Tretrollern. Allerdings fallen diese beiden Sparten weiterhin nur wenig ins Gewicht. Jetzt gibt Uber JUMP an Tretroller-Mitbewerber Lime ab. (ds)