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Eurid unterliegt vor Gericht

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Ein Brüsseler Gericht hat per einstweiliger Verfügung die .eu-Registry Eurid verpflichtet, 75.000 im Juli geblockte eu-Domains der zyprischen Aceria-Unternehmensgruppe wieder komplett freizugeben. Eurid hatte die eu-Domains der Aceria-Unternehmen Ovidio Ltd, Fausto Ltd und Gabino Ltd gesperrt, weil die Unternehmensgruppe angeblich nur als Strohmann für eine Gruppe von 400 US-Registraren tätig sei. Die US-Registrare, alle Mitglieder der in Delaware eingetragenen RG5 Solutions Inc-Gruppe, hätten damit gegen das Verbot des Warehousing verstoßen. Agent für RG5 Solutions ist die Corporation Service Company, Mutter des US-Registrarunternehmens CSC Corporate Domains.

"Den Warehousing-Vorwurf hat Eurid nicht aufrecht erhalten," sagte Paul Keating, Anwalt der US-Registrare gegenüber heise online. Alle Domains seien im Auftrag der zyprischen, aber darüber hinaus auch einiger anderer Kunden registriert worden, darunter ein Eurid-Mitarbeiter. Eurid-Sprecher Patrik Linden, der das neue Stockholmer Büro der Organisation leitet, bestätigte gegenüber heise online, dass Eurid dem Gerichtsbeschluss am Dienstag nachgekommen sei. Das Gericht hatte für den Fall der Zuwiderhandlung 25.000 Euro Strafe pro nicht-entsperrter Domain pro Stunde festgelegt.

Basis für den Ende September ergangenen Gerichtsbeschluss sind verfahrenstechnische Patzer der Eurid. Wenn Eurid die Domains nach Artikel 3 (keine böswilligen Registrierungen) und 20 (Erlaubnis zur Maßnahmen gegen Regelverstöße) der für den .eu-Betrieb geltenden EU Verordnung (EU874/2004) sperre, müsse sie sich auch an den Paragraphen 12 der eigenen Registrierungsregeln halten, konstatierte das Gericht. Der besagt, dass bei Sperrung einer Domain der Inhaber und/oder Registrar mindestens 14 Tage zuvor von der bevorstehenden Sperrung informiert werden muss.

Das aber hat Eurid nicht getan, heißt es im Schriftsatz der Registrare. Eurid sperrte demnach die Adressen bereits am 20. Juli. Die Domaininhaber bekamen nach eigener Aussage lediglich eine kurze E-Mail dazu. Nachfragen der Registrare beantwortete Eurids Jurist erst am 24. Juli. Eurid habe jegliches Gespräch bis zu dem Zeitpunkt abgelehnt, als die Registrare ihrerseits vor den Kadi zogen, behaupten die Registrare. Danach habe die Registry plötzlich behauptet, die Domains seien durch Manipulation an die Aceria-Gruppe gegangen. Doch dafür habe Eurid keine Beweise beigebracht, befand jetzt der Richter.

Domaininhaber und Registrare seien deshalb nicht vorab informiert worden, um eine rasche Übertragung von Domains zu verhindern, sagte Linden. Ovidio hatte zuvor Domains allerdings offenbar nur dann übertragen, wenn Interessenten auf Marken- oder Namensrechte pochten. Rund 102 Domains seien kostenlos auf solche Rechteinhaber übertragen worden, so Keating. Die Aceria-Gruppe verfolge das Geschäftsmodell der "direct navigation". Gemeint ist damit das Parken der Domains über Portale wie Sedo. Sedo-Sprecherin Semra Yilmaz bestätigte auf Anfrage von heise online, dass ein großer Teil der Domains von Ovidio auf Sedo geparkt sind. Verkaufsangebote gebe es für diese Domains nicht.

Selbst wenn es eine Verbindung zwischen Aceria und RG5 Solutions Inc gäbe, würde das keine Eurid-Regeln verletzen, ebensowenig wie die Tatsache, dass RG5 Solutions als Registrargruppe auftrete, meint Keating. "Es gibt eine Menge anderer Registrargruppen im .eu-Geschäft." Keating sagte weiter, seine Mandanten warteten nun ab, ob Eurid nach der Niederlage das Hauptverfahren tatsächlich weiterführen wolle. Die erste Verhandlung in der Hauptsache ist für den 10. November angesetzt. (Monika Ermert) / (anw)