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EuroHPC: 1 Milliarde Euro für Supercomputer mit EU-Technologie

Die EU will 486 Millionen Euro in die Anschaffung von 100-PFlops-Superrechnern, die Entwicklung von Exaflops-Systemen sowie eines "europäischen Mikroprozessors" stecken.

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EuroHPC: 1 Milliarde Euro für Supercomputer mit EU-Technologie

Zeitplan für EuroHPC

(Bild: ETP4HPC: A short summary of the development of European HPC 2017)

Am Donnerstag hat die Europäische Kommission die Pläne für das "Gemeinsame Unternehmen EuroHPC" der EU und der Mitgliedsstaaten bekanntgegeben. Es soll dafür sorgen, dass bis 2022/2023 ein Supercomputer mit der Leistungsfähigkeit von Spitzensystemen der Top500-Liste "auf der Grundlage von EU-Technologie" bereitsteht. Rund 1 Milliarde Euro stehen sowohl für die Anschaffung mehrerer Supercomputers der Hunderte-Petaflops-Klasse bereit sowie für die Entwicklung eines Exaflops-Systems. Rund 486 Millionen Euro bringt die EU auf, der Rest soll von den beteiligten Mitgliedsstaaten kommen.

Das Gemeinsame Unternehmen EuroHPC setzt auf laufende Vorhaben auf und bündelt deren Anstrengungen. Das Geld verteilt sich also in zahlreiche Kanäle und Einzelprojekte.

Einerseits sind Ankauf und Betrieb "von zwei Weltklasse-Supercomputern im Vor-Exa-Maßstab und mindestens zwei Mittelklasse-Supercomputern" geplant sowie Bereitstellung und Verwaltung des Zugangs zu diesen Supercomputern für ein breites Spektrum öffentlicher und privater Nutzer ab 2020.

Zudem soll auch die Entwicklung der "ersten europäischen Mikroprozessorgeneration mit geringem Stromverbrauch" unterstützt werden sowie einer europäischen Hochleistungsrechentechnik.

Für die Tätigkeit des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC ist der Zeitraum 2019–2026 vorgesehen. Die geplante Infrastruktur wird im gemeinsamen Eigentum ihrer Mitglieder stehen und von ihnen gemeinsam betrieben werden. Diese Mitglieder sind zunächst die Unterzeichnerländer der EuroHPC-Erklärung: Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien. Im Jahr 2017 folgten Belgien, Slowenien, Bulgarien, die Schweiz, Griechenland und Kroatien. Andere Mitgliedstaaten und assoziierte Länder werden ermutigt, die EuroHPC-Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen.

Eine Vorvereinbarung für EuroHPC war bereits im Mai 2017 veröffentlicht worden.

Seit Jahren schon arbeiten Forscher in der EU an Supercomputern mit ARM-SoCs, etwa im Rahmen der Projekte Mont Blanc, derzeit in Phase 3, unter anderem mit Nvidia Tegra 2, Samsung Exynos 5 und Cavium ThunderX2. Die britische Prozessor-Entwicklerfirma ARM gehört aber mittlerweile der japanischen Softbank – sitzt also nach dem Brexit in jeder Hinsicht außerhalb der EU. Allerdings macht ja auch die Schweiz bei EuroHPC mit, wo mit Piz Daint der laut Top500 derzeit drittschnellste Superrechner der Welt steht.

2018 sollen die Top500-Spitzenreiter aber deutlich zulegen, und zwar mit den POWER9-/Tesla-V100-Systemen Summit und Sierra in den USA, die deutlich über 100 PFlops leisten sollen. Die kosten aber wohl jeweils rund 250 Millionen US-Dollar. Der SuperMUC-NG mit 27 PFlops soll knapp unter 100 Millionen Euro bleiben.

Die Europäische Kommission sieht im Vergleich zu den USA oder auch China eine Unterfinanzierung des High Performance Computing (HPC) in Europa und der EU von 500 bis 750 Millionen Euro pro Jahr. Im Vergleich dazu sind 1 Milliarde Euro über 7 Jahre von 2019 bis 2026 nur ein kleiner Teil. (ciw)

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