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Europäische Sicherheitsagentur ENISA: Klimawandel verursacht mehr Netzausfälle

Extremwetterlagen verursachten 2017 fast ein Fünftel der Netzausfälle in Europa, heißt es im ENISA-Jahresbericht über Ausfälle in der Telekommunikationsbranche.

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Schnelles Internet

(Bild: dpa, Ralf Hirschberger)

Die europäischen Telekommunikations- und Internetbetreiber meldeten im vergangenen Jahr insgesamt 169 größere Netzausfälle an die Behörden. Dabei wirkten sich immerhin 51 Prozent der Fälle auch auf die Mobilkommunikation aus. Im Schnitt waren eine Million Nutzer von einem einzigen Netzausfall betroffen, berichtet die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit ENISA in ihrem jetzt vorgestellten Jahresbericht , der die Meldungen der europäischen Netzregulierungsbehörden zusammenfasst.

62,1 Prozent der Netzausfälle konnten auf Systemversagen zurückgeführt werden, die auf dem Versagen von Hardware sowie auf Softwarefehlern basierten. 18,3 Prozent der Vorfälle gingen auf menschliches Versagen und nur 2,4 Prozent auf kriminelle Handlungen wie Denial-of-Service-Attacken oder Kabeldiebstähle zurück. Diese Zahlen bewegen sich im Rahmen der letzten Jahre.

Unüblich ist jedoch der hohe Anteil von 17,2 Prozent, den Naturphänomene im vergangenen Jahr an den Netzwerkausfällen hatten. Zu diesen Phänomenen zählen starke Schneefälle, Eis, Sturm, Überflutungen und nicht zu kontrollierende Waldbrände. In den drei Jahren zuvor hatten diese nur 5 Prozent der Ausfälle verursacht. Die ENISA erkennt in den Zahlen einen Aufwärtstrend und warnt: „Netzbetreiber in der Europäischen Union werden sich mit Naturphänomenen weiterhin befassen müssen, da Extremwetterlagen aufgrund des Klimawandels häufiger werden.“

Entwicklung der Hauptursachen für Netzausfälle bei europäischen Telekommunikations- und Internetbetreibern in den Jahren 2012 bis 2017

(Bild: ENISA (enisa.europa.eu))

Sind Naturkatastrophen Ursache eines Netzausfalles, müssen die Betreiber mit Ausfallzeiten von 56.800 Nutzerstunden rechnen. Softwarefehler schlagen vergleichsweise mit nur 16.900 Nutzerstunden zu Buche. Stromausfälle spielen insgesamt mit 22 Prozent eine wichtige Rolle, wobei die ENISA betont, dass in den üblichen Ausfallszenarien Stürme oder Waldbrände als Ursache angenommen werden.

Die ENISA fasst seit 2012 die Berichte der europäischen Regulierungsbehörden zu Ursachen von Netzausfällen systematisch in eigenen Jahresberichten zusammen. Angesichts dessen, dass Systemausfälle die Hauptursache für Ausfälle darstellen, veröffentlichte die Behörde bereits 2014 eine Handreichung für die Betreiber, wie sie mit Sicherheitsanforderungen gegenüber Ausrüstern und Lieferanten umgehen sollen. 2013 veröffentlichte sie ein Whitepaper, um das Thema Kabelbrüche anzugehen.

Der nächste Jahresbericht zu Netzausfällen wird sich aufgrund einer gesetzlichen Änderung nicht nur mit Ausfällen bei herkömmlichen Telekommunikationsbetreibern, sondern auch bei sogenannten Over-The-Top-Diensten wie E-Mail- und Messengerdiensten befassen. Dabei wird es auch um andere Sicherheitsvorfälle wie etwa den Bruch des Fernmeldegeheimnisses gehen. (tiw)

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