Europäische Spambox soll Spammersünden speichern

Der Internet-Verband Eco und Microsoft rechnen laut ihrer Aussagen beim 3. deutschen Anti-Spam-Gipfel heute in Köln damit, dass die EU-Kommission in den nächsten Tagen das Projekt "SpotSpam" bewilligt.

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Versendern unerwünschter E-Mails soll es mit einer europäischen Spambox-Initiative nun juristisch stärker an den Kragen gehen. Der Internet-Verband Eco und Microsoft rechnen laut ihrer Aussagen beim 3. deutschen Anti-Spam-Kongress heute in Köln damit, dass die EU-Kommission in den nächsten Tagen das Projekt "Selfregulatory Plan on Tackling Spam", kurz "SpotSpam" bewilligt. Unter dem Internet Safer Action Plan erhält SpotSpam dann rund 200.000 Euro für zwei Jahre. Eco übernimmt bei SpamSpot die Rolle des Koordinators. NASK, die Registry für die polnische Länderdomain .pl übernimmt die technische Umsetzung. Assoziierte Partner sind außerdem der französische Providerverband AFA und bald noch die von der französischen Regierung ins Leben gerufene Projekt Signal-Spam, das sich um ein spezielles Tool zur Meldung von Spambeschwerden kümmert.

SpotSpam soll die Verfolgung von Spammern erleichtern. Die Grundidee besteht schlicht darin, Beschwerden über Spammer aus verschiedenen Ländern zentral zu sammeln und dabei Daten verschiedener nationaler Spambox-Projekte oder Hotlines zusammenzuführen, möglicherweise auch durch eine direkte Weiterleitung an die Datenbank. Geboren sei die Idee durch Anfragen von Microsoft bei der Eco-Hotline nach Spambeschwerden zu Hotmail-Accounts. Microsoft fischt derzeit selbst über rund 130.000 dafür eingerichtete Emailaccounts und Honeypots Spam ab, berichtete Jean-Christophe Toquin, Anwalt bei Microsoft EMEA.

Der 3. deutsche Anti-Spam-Gipfel, der heute und morgen rund 500 Experten in Köln zusammenführt, steht im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit und einer stärkeren juristischen Bekämpfung von Spammern. Eco-Geschäftsführer Harald Summa sagte zum Auftakt der Veranstaltung im Börsensaal der Industrie- und Handelskammer: "Jetzt geht's los, liebe Kollegen von der Spammerfraktion." Der Verband wolle im Anschluss an die Diskussion verschiedener technischer Lösungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren, dieses Mal die Möglichkeiten juristischer Attacken von Benutzerseite diskutieren.

Ganz in diesem Zeichen steht eine Partnerschaft der gegen Spammer klageberechtigten Institutionen: dem Bundesverband der Verbraucherzentralen, die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs und Eco. Beatrix Lindner vom Bundesministerium für Verbraucherschutz sagte gegenüber heise online, man begrüße diese Zusammenarbeit. Gleichzeitig wolle man die Debatte um die Einführung von Bußgeldern für Spam weiter verfolgen.

Innerhalb Europas hat man bislang 13 Prozesse gegen Spammer geführt weitere 15 Fälle den jeweils zuständigen Behörden zur Verfolgung übergeben. Außerdem gingen knapp 100 Abmahnungen an Spammer in 13 Ländern. Mit SpotSpam soll die juristische Aufarbeitung deutlich vereinfacht werden, da die Daten den entsprechenden Behörden zur Verfügung gestellt werden können. Allerdings müssen bei der Entwicklung der Datenbank auch juristische Fragen wie die nach dem Datenschutz und der Verhinderung eines Missbrauchs der Datenbank geklärt werden. Nach zwei Jahren muss auch dazu der Abschlussbericht für die EU vorliegen.

Etwas still geworden ist es um die im vergangenen Jahr gestartete Kooperation mit dem Verband der Deutschen Direktvermarkter (DDV), die Certified Sender Alliance. Dabei sollten E-Mails von zertifizierten Direktvermarktern nicht mehr über Spamfilter abgefischt, sondern privilegiert werden. Summa sagte gegenüber heise online allerdings, die vom DDV angegebene Zahl der Provider teste inzwischen das System. Insgesamt, so Summa, hätten die in den vergangenen Jahren gestarteten Maßnahmen durchaus bereits Effekte gezeigt. Enthusiastisch klingt das Zitat von IHK-Geschäftsführerin Elisabeth Slapio in der aktuellen Eco-Pressemitteilung: "Die guten Nachrichten von Eco lassen hoffen: Spam ist rückläufig." (Monika Ermert) / (anw)