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Europäischer TK-Markt: Umsätze runter, Investitionen rauf

Von einem echten und boomenden Binnenmarkt in der Telekommunikation sei die EU noch weit entfernt, monierte die für die digitale Agenda zuständige Kommissarin Neelie Kroes beim Vorlegen des aktuellen Regulierungsberichts.

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Der europäische Telekommunikationsmarkt schwächelt: Die Umsätze der TK-Firmen in der EU sind 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 323,6 Milliarden zurückgegangen. In den zwölf Monaten davor waren sie noch um 2,2 Prozent nach oben geklettert. Parallel sind die Investitionen um 1,4 Prozent auf 42,1 Milliarden leicht gestiegen. Auch hier hatte es von 2010 auf 2011 ein satteres Plus von 6,9 Prozent gegeben. Dies geht aus dem aktuellen Regulierungsbericht der EU-Kommission hervor, den die Brüsseler Regierungseinrichtung am Dienstag veröffentlicht hat.

Der Markt in Europa entwickelt sich so nicht im Einklang mit Trends in anderen Teilen der Welt. In den USA etwa haben die vergleichbaren Umsätze um 5,1 Prozent zugelegt, in Japan zumindest um 0,11 Prozent. Das weltweite Wachstum lag 2012 bei 4,2 Prozent. Bei den Investitionen zeichnet sich innerhalb Europas ein weites Feld. So gingen sie in Lettland um 15,1 Prozent zurück, während sie in Luxemburg um 10,1 Prozent nach oben stiegen. Für Deutschland, wo die Marktumsätze auch 2013 weiter leicht nachgaben, weist die Statistik ein Plus von 0,4 Prozent aus.

Herkömmliche Sprachtelefonie ist in Europa auf dem absteigenden Ast.

(Bild: dpa, Uli Deck)

Der Übersicht nach geht die Nutzung der herkömmlichen Sprachtelefonie mit der wachsenden Beliebtheit der Internet-Telefonie (VoIP) in Europa zurück. Der Datenverkehr steigt dagegen rasch an. Die Preise für Mobiltelefonanrufe und mobiles Internet sind in der EU höher als in den USA. Dort werden diese Dienste so stärker in Anspruch genommen werden, woraus sich ein höherer "mittlerer Umsatz pro Nutzer" ergibt.

Beim geplanten Ummünzen der sogenannten digitalen Dividende in mobile Breitbanddienste haben nur Dänemark, Deutschland, Lettland und Malta die für 2012 von Brüssel vorgegebenen Marken erreicht. 21 Mitgliedstaaten waren hier 2013 verspätet im Plan. Durch die Verzögerungen beim Zuweisen des 800-MHz-Bands ist der Ausbau des 4G-Mobilfunks nach Ansicht der Kommission aber "erheblich gebremst worden".

Die Wartezeit bis zu den erteilten Genehmigungen für den Auf- und Ausbau neuer Netze reicht in Mitgliedsstaaten von einigen Tagen bis hin zu Jahren. Ein elektronisches Beantragen entsprechender Vorhaben erlauben die meisten Behörden noch nicht, was die Verfahren nicht beschleunigt. Beträchtliche Unterschiede gibt es zudem etwa bei den Vorleistungsentgelten für die Rufnummernmitnahme beim Anbieterwechsel, also bei den Kosten, die einem Wettbewerber für die Übertragung der Rufnummer eines Kunden in Rechnung gestellt werden.

Mit Ausnahme Griechenlands, Rumäniens und Zyperns haben alle EU-Länder Breitbandpläne aufgestellt. Beim Finanzieren entsprechender Projekte schöpfen die Mitgliedsstaaten aber aus verschiedenen Quellen. Die digitale Agenda setzt das Ziel, allen Europäern bis 2020 einen Breitbandanschluss von mindestens 30 MBit/s zu bieten. Der Hälfte aller Haushalte sollen dann Leitungen mit 100 MBit/s zur Verfügung stehen. Hierzulande lag dem Bericht nach Anfang 2014 der Grad der Breitbanddurchdringung mit mindestens 30 MBit/s bei 5,6 Prozent, mit über 100 MBit/s bei nur 0,9 Prozent. Dafür lag die LTE-Abdeckung mit 81 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von knapp 59 Prozent.

Der Report vergleicht auch die rechtliche Situation in umkämpften Bereichen wie der Netzneutralität. Dänemark, Großbritannien, Ungarn und Schweden setzen demnach auf Selbstregulierungsinitiativen, um das offene Internet aufrecht zu erhalten. In Frankreich, Tschechien und dem Vereinigten Königreich hätten zudem nationale Regulierungsbehörden entsprechende Richtlinien aufgestellt. Gesetzlich abgesichert werde die Netzneutralität in den Niederlanden und Slowenien. In seinem Beschluss dazu hat sich das EU-Parlament für eine Stärkung der Netzneutralität ausgesprochen. Derzeit hängen die Vorschläge beim EU-Rat fest.

Die für die digitale Agenda zuständige Kommissarin Neelie Kroes beklagte angesichts des Berichts, dass Europa "noch weit von einem echten Binnenmarkt entfernt" sei. Kroes hofft fürs Erste, dass eine rasche Umsetzung der neuen Richtlinie über reduzierte Kosten beim Breitbandausbau das superschnelle Internet in der EU beflügelt. (axk)