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Europas Weg zum Future Internet

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Auf dem Future Internet Symposium, das derzeit an der Freien Universität Berlin stattfindet, beschwor der Leiter des Direktorats F (Emerging Technologies and Infrastructures) in der EU-Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien, Mario Campolargo, heute das Internet der Zukunft als Nervensystem der digitalen Wirtschaft in Europa und als Eckpfeiler der Digitalen Agenda der Brüsseler Kommission. Insgesamt 2,4 Milliarden Euro will die EU-Kommission in den kommenden beiden Jahren im Rahmen des 7. Forschungsprogramms in die Förderung der Informations- und Kommunikationstechnologien investieren, davon mit rund 600 Millionen Euro allein etwa ein Viertel für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zum Future Internet.

Der frühere Forschungsmanager bei Portugal Telecom sieht die Entwicklung des Internets einerseits von der zunehmenden Vernetzung von Objekten und andererseits von der steigenden Vielfalt Web-zentrierter Systeme getrieben; beides habe noch ungeahnte Auswirkungen auf Architekturen, Plattformen und Nutzungsszenarien, erklärte Campolargo in seiner Keynote zu "Europas Weg zum Future Internet". In dem unübersichtlichen Umfeld "brauchen wir ein neues Verständnis von dem, was das Internet eigentlich ist", verdeutlichte Campolargo.

Die Brüsseler Antwort auf die Herausforderung ruhe, wie er ausführte, auf drei Säulen. So sei, um die Fragmentierung einzelstaatlicher Förderprogramme zu überwinden und die Aktivitäten der Mitglieder auf diesem Gebiet stärker zu koordinieren und zu verzahnen, das Future Internet Forum (FIF) geschaffen worden, dem die CIOs der Mitgliedsstaaten angehören. Der besseren Vernetzung der FuE-Arbeiten selbst dient wiederum die Future Internet Assembly (FIA), in der sich Vertreter aus den von der EU geförderten Projekten über die unterschiedlichen Entwicklungsstränge hinweg zu den Ansätzen und Arbeiten an der Forschungsfront austauschen.

Doch es gehe um mehr als nur Spitzenforschung, betonte Campolargo. Er warb für die dritte Säule der Brüsseler Förderpolitik, die sogenannten Future Internet Public Private Partnerships (FI-PPP). Mit ihnen hofft Brüssel, den Graben zwischen Forschung und Marktanwendung zu überwinden. "Manchmal", seufzte der Portugiese, "liegen diese Dinge ziemlich weit auseinander."

Ausgehend von konkreten Nutzungsszenarien – bekannte Schlagworte aus diesem Bereich sind beispielsweise Smart Energy, Smart Health, Smart Living oder Smart Transport – sollen die FI-PPPs Future-Internet-Technologien zu neuen, universellen Kommunikations- und Dienstplattformen zusammenführen. Noch bis Dezember läuft der erste Aufruf zu Projektvorschlägen, für deren Umsetzung im Jahr 2011 insgesamt 90 Millionen Euro bereit stehen; weitere Aufrufe sollen 2012 und 2013 folgen, für die bereits Mittel in Höhe von 80 und 130 Millionen Euro eingeplant sind. "Die FI-PPPs bringen frisches Geld ins Spiel", erklärte Campolargo, insgesamt 300 Millionen Euro "zusätzlich zu dem, was wir in diesem Bereich sonst noch fördern".

Themenschwerpunkte der FIS 2010, die bereits zum dritten Mal stattfindet, sind unter anderem Architekturen und Protokolle, semantische Technologien, Perspektiven der Netzentwicklung durch Virtualisierung sowie "Linked Data". Letzteres sind Ansätze zur Zusammenführung von im Web frei verfügbaren Daten, die aus verschiedenen Quellen stammen und die per Uniform Resource Identifier (URI) identifiziert sind, direkt per HTTP abgerufen und automatisch weiterverarbeitet werden können. Aus dem World Wide Web als globalem Informationsraum würde damit ein global verteilter Datenraum. Um der stürmischen Entwicklung auf diesem Gebiet Rechnung zu tragen, hat die EU-Kommission gerade erst mit LOD2 ein neues, vierjähriges Forschungsprojekt unter Federführung der Gruppe Agile Knowledge Engineering & Semantic Web (AKSW) am Institut für Informatik der Universität Leipzig aufgelegt. (Richard Sietmann) / (pmz)

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