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Europeana: Geschichtsprojekt digitalisiert Erinnerung an 1. Weltkrieg

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Ein Crowdsourcing-Projekt sammelt und digitalisiert Erinnerungsstücke aus Privatbesitz und ein anderes Quellen aus Bibliotheken. Nun können in Berlin Stücke vorbeigebracht und digitalisiert werden.

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Wer hat noch Urgroßeltern? Oder Erinnerungsstücke von ihnen? Fotos, Briefe, Feldpostkarten, Tagebücher, Filme, Tonaufnahmen oder Alltagsobjekte? Und deren Geschichten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs? Das Crowdsourcing-Projekt "Europeana 1914-1918" sammelt in ganz Europa private Erinnerungsstücke und macht sie in einem digitalen Archiv öffentlich zugänglich.

Wer etwas beitragen will, kann seine Erinnerungsstücke entweder hochladen oder an sogenannten "Aktionstagen" abliefern. Seit dem Jahr 2011 fanden mehr als 130 solcher Aktionstage in Europa statt, darunter in England, Deutschland, Luxemburg, Irland, Slowenien, Dänemark, Belgien, Zypern, Italien, Frankreich, Rumänien und der Slowakei.

Drei getötete deutsche Soldaten vor einem Granattrichter (möglicherweise wurde das Foto gestellt)

(Bild:  Dirk, CC BY-SA 3.0 )

Der nächste Aktionstag findet nun wieder in Deutschland statt, und zwar in Berlin, im Rahmen der Veranstaltungen "Der Erste Weltkrieg in digitalen Dokumenten – Unlocking Sources". Die Veranstaltungen werden von der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Deutschen Filminstitut, der Europeana Foundation, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von Facts & Files (Historisches Forschungsinstitut Berlin) durchgeführt.

Am Donnerstag, den 30. Januar 2014, [Update: und am Freitag, den 31. Januar 2014], kann man nun seine Erinnerungsstücke zwischen 10 und 18 Uhr in der Staatsbibliothek in Berlin an der Potsdamer Straße vorzeigen. Die Objekte werden vor Ort digitalisiert und mit den dazugehörigen Angaben ins Online-Archiv eingefügt. Die Originale kann man gleich wieder mitnehmen. Der nächste Aktionstag ist danach in Italien geplant – am 16. März im Fort Cadine in Trient.

Die Staatsbibliothek zu Berlin koordiniert seit 2011 auch ein verwandtes Projekt, das Bibliotheksprojekt "Europeana Collections 1914-1918". Dabei handelt es sich um ein europaweites Digitalisierungsprojekt für Bibliotheken: Zehn Nationalbibliotheken aus acht Ländern – die im Krieg auf verschiedenen Seiten standen – können hier Quellen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs aus ihren Beständen digitalisieren und über das europäische Kulturportal Europeana frei verfügbar machen.

Verwundeter Soldat auf einer Trage

(Bild:  Jeanne Hestermans, CC BY-SA 3.0 )

Einen Teil der Quellen – Bücher, Fotos, Filme, Plakate, Handschriften und Liedtexte – kann man schon abrufen. Die vollständige Sammlung mit mehreren Hunderttausend Quellen soll bis zum 30. April zu sehen sein.

Europeana 1914-1918 basiert auf einer Initiative der Universität Oxford. Die hatte Menschen in ganz Großbritannien eingeladen, Briefe, Fotos und Erinnerungsstücke ihrer Familie aus dem Ersten Weltkrieg digitalisieren zu lassen. Die Idee war so erfolgreich – zwischen März und Juni 2008 steuerten Menschen 6.500 Stücke bei – dass sich daraus das Great War Archive entwickelte. Nach Juni 2008 konnte man sich weiter beteiligen, und zwar über "The Great War Archive Flickr Group".

Das außerdem entstehende Europeana 1914-1918 regte auch eine Zusammenarbeit verschiedener nationaler oder lokaler Einrichtungen in ganz Europa mit der Universität Oxford an. Diese Kooperation umfasst zunächst Beiträge aus Großbritannien, Deutschland, Slowenien, Luxemburg, Irland, Italien, Belgien, Zypern und Dänemark. 2014 sollen weitere Staaten folgen.

Schon jetzt kann man unter www.europeana1914-1918.eu mehr als 5.000 Beiträge mit ungefähr 60.000 digitalen Objekten recherchieren. Noch sind dort nur die privaten Erinnerungsstücke zu finden. Mit dem offiziellen Launch am 29. Januar werden dann alle Angebote – Filme, Bibliotheken, Archive und Privates – zusammengeführt. Von da soll die Website zum ersten Mal eine Suche quer über alle Formate und Inhalte anbieten.

"Europeana" ist "Europas digitale Bibliothek, Museum und Archiv". Sie wurde durch die Europäische Kommission ins Leben gerufen. Sie sammelt und stellt den Zugang zu digitalem Material aus Bibliotheken, Archiven, audiovisuellen Archiven und Museen bereit. Inzwischen kooperieren mehr als 2.300 Institutionen, die Webseite ist in 29 Sprachen zugänglich und enthält 26 Millionen Dokumente und Kulturgüter. (Ulrike Heitmüller) / (mho)

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