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Europol-Chef warnt vor Verschlüsselung

Europol-Direktor Rob Wainwright meint, "das größte Problem für Sicherheitsbehörden" im Kampf gegen den Terrorismus sei es, wenn Krypto-Produkte breit eingesetzt werden. Gegen das "Dark Net" kämen die Fahnder nicht an.

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Europol-Chef warnt vor Verschlüsselung

(Bild:  dpa, Patrick Pleul)

In die Phalanx der Befürworter eingeschränkter Verschlüsselung hat sich jetzt auch der Leiter der Polizeibehörde Europol, Rob Wainwright, eingereiht. IT-Firmen sollten stärker bedenken, wie sich ausgeklügelte Krypto-Software auf die Möglichkeiten der Strafverfolger auswirken, forderte der Brite gegenüber der BBC. Verschlüsselungsprodukte seien derzeit das "größte Problem" der Ermittler bei der Terrorbekämpfung. Traditionell sei die Telekommunikation gut überwachbar gewesen, diese Fähigkeiten gingen nun verloren.

Rob Wainwright

(Bild: Europol)

Terroristen missbrauchten das "Dark Net", in dem sie sich anonym und geschützt durch Verschlüsselung dem Zugriff der Sicherheitsbehörden entziehen könnten, warnte Wainwright. Er warnte auch vor den Krypto-Initiativen großer IT- und Netzkonzerne wie Google und Apple und schloss sich damit FBI-Direktor James Comey an. Er sorge sich auch, weil immer mehr stark verschlüsselte Instant-Messaging-Apps entwickelt würden. Insgesamt zeigte sich der Wainwright enttäuscht über die Haltung von IT-Firmen. Diese sorgten dafür, dass die Polizei nicht mehr an die Kommunikation "der gefährlichsten Leute" herankomme.

Wainwright räumte ein, dass die IT-Wirtschaft letztlich auf die Enthüllung der Massenüberwachung durch Geheimdienste wie die NSA reagiere. Es sei daher nötig, dass die Sicherheitsbehörden wieder Vertrauen aufbauten. Vor anderthalb Jahren hatte der Strafverfolger vor dem EU-Parlament erklärt, zur Hochzeit des NSA-Skandals Berichten über großangelegte Cyberangriffe etwa auf das Finanznetzwerk Swift nicht nachgegangen zu sein, da Europol dafür von Mitgliedsstaaten nicht beauftragt worden sei. Ein Sprecher der britischen IT-Lobby TechUK unterstrich, dass Verschlüsselung "ein essenzieller Baustein der modernen Welt" sei und Großbritannien helfe, eine Führungsstellung in der Welt zu behalten. Die Branche arbeite eng mit Sicherheitsbehörden zusammen.

Zuvor hatte sich im Rahmen der neuen "Crypto Wars" etwa auch der Anti-Terror-Koordinator der EU, Gilles de Kerchove, dafür ausgesprochen, Verschlüsselung einzuschränken. Der EU-Rat diskutierte Anfang des Jahres über eine Pflicht, Schlüssel zu hinterlegen. Das Bundesinnenministerium hat sich inzwischen aber hinter ein Recht auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gestellt. Der umstrittene Staatstrojaner sei etwa geeignet, um Internet-Telefonate abzuhören. (anw)

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