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Europol: Nur 100 Malware-Programmierer weltweit

Gerade mal 100 Top-Programmierer sollen die organisierte Cyberkriminalität mit Malware versorgen, behauptet der Chef des European Cyber-Crime Center. Verschlüsselung und Anonymität im Internet findet er inakzeptabel und hinderlich.

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Weltweit soll es nur etwa 100 maßgebliche Malware-Programmierer geben, sagte der Chef des Cyberabwehrzentrums von EUROPOL, der Däne Troels Oerting, in einem BBC-Interview. Sie seien besser ausgestattet als seine Behörde und könnten uneingeschränkt über Grenzen hinweg Malware herstellen und verbreiten – beinahe schneller, als EUROPOL mithalten könne, wie Oerting eingestand.

Das European Cyber-Crime Center (EC3) ist vor allem eine Behörde zur Koordinierung und Unterstützung zahlreicher Einrichtungen im Kampf gegen Cyberkriminalität.

(Bild: Europol)

Ihre Ware werde von kriminellen Banden in Online-Foren an Cyberkriminelle aus aller Welt verkauft, die nichts von Programmierung verstünden. "It is so easy to become a cybercriminal," fasst Oerting die Situation zusammen ("Es ist einfach ein Cybrkrimineller zu werden."). Seine Behörde, das European Cyber-Crime Center (EC3), ist der EU-Agentur EUROPOL zur Bekämpfung organisierter Kriminalität unterstellt. Sie arbeitet auch mit außereuropäischen Institutionen wie dem FBI zusammen.

Als größtes Hindernis für die Verfolgung der Hauptpersonen, der "cybercrime kingpins", macht Oerting deren Aufenthalt im außereuropäischen Rechtsraum aus. Die ungewohnte Zusammenarbeit seiner Behörde mit manchen Ländern mache ihm etwas Angst. Im Zuge dieser Ermittlungen könne EUROPOL auch nicht die "üblichen Werkzeuge" in Anschlag bringen. Die Kommerzialisierung der Cyberkriminalität nehme stetig zu, und der Kampf gegen sie bleibe weiterhin "aussichtslos".

Zwar sei über die Identität dieser Top-Programmierer wenig bekannt, sie hielten sich jedoch überwiegend im "russischsprachigen Raum" auf. Wenn es gelänge, sie alle zu fassen, würde das weltweite Geschäft mit Malware zusammenbrechen, ist sich Oerting sicher. Er befürchtet, dass die Zahl der Malware-Produzenten weiter steigen werde. Zudem sei die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden in Russland nicht immer einfach, sie verbessere sich jedoch stetig.

Konsumenten müssten sich nach Einschätzung des Behördenchefs vor allem um den Diebstahl ihrer heiklen, persönlichen Daten sorgen, wozu er den Posteingang sowie das Facebook-Konto zählt. Hätten die Cyberkriminellen Zugriff auf die Konten eines Bürgers bei Google und Apple, könnten sie anschließend "sein Leben übernehmen".

Mit der zunehmenden Zahl von Internet-Benutzern sowie dem wachsenden "Internet der Dinge" werde der Kampf gegen Cybercrime schwieriger. Auch würden die Enthüllungen Edward Snowdens die Ermittlungen behindern. Die allgemeine Zunahme von Verschlüsselung vergleicht Oerting mit der Unmöglichkeit, beispielsweise den Kofferraum eines Wagens zu öffnen, in dem man Waffen oder Drogen vermute. So etwas werde er auch in der "digitalen Welt" niemals akzeptieren.

Den "good guys" des Internet wirft er vor, die Rechte auf Privatsphäre und Anonymität zu verwechseln: Es gebe zwar ein Recht auf Privatsphäre, jedoch keines auf Anonymität, so Oerting. Er "hasse" es zwar, über Hintertüren ("backdoors") zu sprechen, jedoch müssten die Strafverfolgungsbehörden nachschauen können, was die Bürger in der digitalen Welt "verstecken" – zumindest, nachdem die Behörden dazu ermächtigt wurden. (tiw)