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Event Horizon Telescope: Forscher wollen erstmals Schwarzes Loch abbilden

In wenigen Wochen wollen Forscher Radioteleskope in aller Welt virtuell zusammenschalten, um erstmals eine Aufnahme eines Schwarzen Lochs zu machen. Auf dem Bild soll dann die unmittelbare Umgebung der Singularität zu sehen sein.

Event Horizone Telescope: Forscher wollen erstmals Schwarzes Loch fotografieren

So könnte das Schwarze Loch aussehen.

(Bild: Dimitrios Psaltis, University of Arizona)

Wissenschaftler wollen Anfang April erstmals direkt ein Schwarzes Loch beziehungsweise die direkte Umgebung von dessen Ereignishorizont abbilden. Dazu werden Radioteleskope auf dem ganzen Globus zusammengeschaltet, um das riesige Event Horizon Telescope mit einer sonst unerreichbaren Auflösung zu simulieren. Damit wollen sie den Ereignishorizont des gigantischen Schwarzen Lochs Sagittarius A* im Zentrum unserer Milchstraße erkennen, an dem beschleunigtes Gas und Staub leuchtet. Das Schwarze Loch selbst ist so massereich und -konzentriert, dass es kein Licht abgibt und deswegen nicht abzubilden ist.

Der Projektleiter Sheperd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics gibt sich gegenüber der BBC begeistert. Nach zwei Jahrzehnten der Vorbereitung sei es endlich soweit, die Beobachtungen aufzunehmen und erstmals gebe es eine reale Chance, einen Ereignishorizont zu erkennen. Dafür werden Teleskope in Nord- und Südamerika, auf Hawaii, in Europa und sogar in der Antarktis zusammengeschaltet. Sie sollen Sagittarius A* im Frequenzbereich von 230 Ghz (1,3 Millimeter Wellenlänge) beobachten und dabei immense Mengen an Daten sammeln. Die müssen dann ausgewertet werden, bis dann wohl Anfang 2018 ein erstes Bild fertig ist.

Der Ereignishorizont (oder "Event Horizon") eines Schwarzen Lochs ist die Grenze zwischen dem Bereich, aus dem Licht der gigantischen Gravitation noch entkommen kann und dem Bereich, aus dem weder Licht noch anderweitig Information entrinnen kann. Alles was davor liegt, kann prinzipiell noch beobachtet werden, wodurch auch Informationen über das Schwarze Loch gewonnen werden können. Die Astronomen hoffen so unter anderem, mit dem Event Horizon Telescope das Keine-Haare-Theorem und die Hypothese vom kosmischen Zensor überprüfen zu können.

Sagittarius A* ist etwa 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und umfasst rund vier Millionen Sonnenmassen. Gleichzeitig beträgt sein Durchmesser gerade einmal rund 23 Millionen Kilometer – zum Vergleich der Abstand zwischen der Erde und der Sonne beträgt rund 150 Millionen Kilometer. Für die Aufnahme ist also eine immens hohe Auflösung – auf bis zu 50 Mikrobogensekunden – nötig. Vergleichbar wäre es etwa, eine Grapefruit auf der Mondoberfläche zu erkennen, zitiert die BBC die Forscher. Die haben demnach auch eine ungefähre Vorstellung davon, was sie erwartet, aber natürlich seien Überraschungen immer möglich. Dann müsste aber auch Albert Einsteins Relativitätstheorie angepasst werden. (mho)

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