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Evgeny Morozov prangert "Solutionismus" an

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Der Glaube, dass mehr Daten zu mehr Transparenz und Effizienz führen, ist gefährlich, argumentiert Medienforscher Evgeny Morozov in seinem neuen Buch "To Save Everything Click Here", berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Dieser "Solutionismus" könne mehr Probleme schaffen, als er löse. Transparenz gehe zunehmend auf Kosten anderer Werte, mahnt Morozov, weil es so einfach und billig sei, im Netz möglicherweise nützliche Daten zu verbreiten.

Mit seiner Furcht vor der Transparenz ist Morozov nicht alleine. Der Cyberrechtler Lawrence Lessig hat kürzlich in einem Essay davor gewarnt, dass immer mehr Daten über Politiker eher den Zynismus der Bürger anheizen, anstatt Politik besser zu machen. Er scheint jedoch keine Hoffnung zu haben, dass irgendetwas der großen Datensammelei Einhalt gebieten könnte. Sein Vorschlag: Man sollte Wahlen öffentlich finanzieren, damit die Bürger nicht ihren Zynismus über die Motive von Abgeordneten ergießen können.

Damit allerdings ist Morozv gar nicht einverstanden. Für ihn bestärkt Lessig das Missverständnis, das Internet sei eine Art Naturgewalt, nicht ein Konstrukt von Menschen, weshalb jeder Widerstand zwecklos sei. Ganz im Gegenteil, meint Morozov: Wir brauchen Widerstand. Anstatt fragwürdige Datenprojekte über Gesetzesänderungen verhindern zu wollen, sollten Online-Systeme so angelegt sein, dass sie bestimmten Werten neben dem der Transparenz genügen.

Datenbanken über Kampagnenspenden könnten beispielsweise so konstruiert sein, dass sich die Datensätze nicht mehr en Masse herausziehen lassen. Das würde es zwar schwieriger machen, in Daten interessante Sachverhalte aufzuspüren. Für die Demokratie sei es aber besser, wenn Menschen eine Sache unterstützen können ohne die Furcht, ihr Nachbar könnte ihm dies bald übel nehmen.

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(bsc)