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Ex-Astronaut Reiter: Bemannte Mars-Mission "theoretisch möglich"

Forscher arbeiten am Schutz vor kosmischer Strahlung und an kürzerer Reisezeit zum Mars. Auf dem roten Planeten soll auch örtliche Materie verarbeitet werden.

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Ex-Astronaut Reiter: Bemannte Mars-Mission "theoretisch möglich"

(Bild: pixabay.com)

Einer Mission von Menschen zum Mars steht nach Meinung des ehemaligen Astronauten Thomas Reiter zumindest theoretisch nichts mehr im Wege. Zwar gebe es noch einige technologische Hürden, Forscher stünden aber vor "keinem unlösbaren Problem", sagte Reiter der Deutschen Presse-Agentur. Er ist derzeit Berater der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). "In zwei Jahrzehnten könnte ich mir vorstellen, dass wir soweit sind, Menschen zum Mars zu schicken."

In der Zeit, bis es soweit ist, suche man eine Lösung, um die Astronauten auf ihrer Reise vor der kosmischen Strahlung zu schützen. Und auch die Reisezeit wollen Weltraumforscher verkürzen. Ein Flug zum Mars dauert derzeit noch sieben Monate.

Reiter plädiert für wenig Gepäck bei Missionen. Recycling spiele eine große Rolle. Derzeit würden 70 Prozent des Wassers an Raumstationen schon wiederaufbereitet. Das ließe sich aber noch verbessern und auch andere vermeintliche Abfälle müsse man effizient nutzen. Aus Kohlendioxid – und Wasser – beispielsweise könne Methan als Treibstoff und Sauerstoff zum Atmen gewonnen werden. Technisch sei das lösbar, ist sich der Ex-Astronaut sicher.

David Karl, Wissenschaftler am Fachgebiet Keramische Werkstoffe der Technischen Universität Berlin (TU), arbeitet mit seine Kollegen an Vasen, die aus Mars-Sand gefertigt werden, genauer gesagt: aus "Mars-Simulanten-Material". Dabei handelt es sich um vulkanische Erde aus Hawaii, die chemisch mit Böden auf dem Roten Planeten vergleichbar sei und "ziemlich schwer zu verarbeiten" ist, wie der Forscher sagt. In Form bringen kann er das Material bereits, das sich beim Befüllen mit Wasser allerdings noch auflöst. An der TU wird weiter an der Verbesserung des Materials gearbeitet.

Das Verwenden von örtlicher Materie auf anderen Planeten oder dem Mond nennen Forscher In-Situ Resource Utilization. "Ohne solche Projekte würden wir uns schwer tun, in effizienter Weise voranzukommen", sagt Reiter. Ob er eine Vase auf seinen Weltrumspaziergängen vermisst hätte? Zumindest die Möglichkeit, sich auf dem Mars Backsteine zu brennen, hielte Reiter für ziemlich praktisch: "Die können Geräte zum Beispiel vor Mikrometeoriten schützen".

In Kooperation mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos arbeitet die ESA seit ein paar Jahren am Raumsondenprojekt ExoMars. Aktuell arbeitet die ESA daran, einen Rover von der größe eines Kleinwagens auf den Mars zu bringen – damit der Roboter problemlos über den Marsboden rollen kann, müssen Tests gemacht werden. Auch hier kommt "Pseudo-Marsboden" zum Einsatz. Mehrere dieser Roboter hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa schon auf den Planeten gesetzt, 2020 soll ein weiterer dazukommen. (bme)

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