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Ex-Manager bei Facebook: Datenskandal um Cambridge Analytica nur Spitze des Eisbergs

Der Zugriff auf Dutzende Millionen Facebook-Nutzerdaten von Cambridge Analytica weist auf ein viel größeres Problem hin. Ein ehemaliger Facebook-Verantwortlicher erklärt, dass App-Entwickler Hunderte Millionen Profile abgegriffen haben könnten.

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Ex-Manager bei Facebook: Datenskandal um Cambridge Analytica nur Spitze des Eisbergs

(Bild: jarmoluk)

Ein ehemaliger Managr von Facebook geht davon aus, dass Hunderte Millionen Nutzerprofile auf Facebook von ähnlichen Datenzugriffen wie dem kritisierten von Cambridge Analytica betroffen sind. Das sagte Sandy Parakilas dem britischen Guardian und konkretisierte dabei die Vorwürfe gegen Facebook, die er bereits im November 2017 in der New York Times erhoben hatte. Als er 2011 bis 2012 für Facebook gearbeitet habe, sei seine Sorge gewesen, dass all die Daten, die zu App-Entwicklern abfließen, nicht von Facebook kontrolliert wurden: "Wir hatten keine Ahnung, was die Entwickler mit den Daten anstellten." Die Enthüllungen um Cambridge Analytica seien schmerzhaft für ihn, weil er wisse, dass Facebook das hätte verhindern können.

Cambridge Analytica und die Facebook-Profile

Parakilas, der bei Facebook für Datensicherheit gegenüber App-Entwicklern verantwortlich war und inzwischen für Uber arbeitet, gibt mit seinen Äußerungen weitere Einblicke in die Praktiken, die es Cambridge Analytica ermöglicht haben, angeblich 50 Millionen Facebook-Profile zu sammeln und mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen möglicherweise die US-Wahl zu beeinflussen. Die Daten waren Berichten zufolge mit einer App und vorgeblich für Forschungszwecke gesammelt worden. Es handelte sich aber nicht nur um Daten der App-Nutzer, sondern auch von deren Facebook-Freunden. Erst nach der widerrechtlichen Weitergabe, habe der Konzern die Löschung verlangt, das aber nicht überprüft. Bei Cambridge Analytica wurden die Daten angeblich genutzt, um passgenaue Zielgruppen für Wahlwerbung zu suchen, die Donald Trump zum Wahlsieg verhelfen sollte.

Facebook habe keinerlei Kontrolle über Daten, die an Entwickler von Anwendungen wie etwa das berühmte FarmVille abflossen, bestätigt Parakilas nun das Naheliegende. Es habe auch überhaupt keine Einblicke in die weitere Verwendung dieser Nutzerdaten gegeben. Er jedenfalls habe immer angenommen, dass es so etwas wie einen Schwarzmarkt für Facebook-Daten gebe, die von App-Entwicklern gesammelt wurden. Als er vorgeschlagen habe, Entwickler genauer zu überprüfen, sei ihm abgeraten worden: "Sie hatten das Gefühl, es sei besser, nichts darüber zu wissen. Ich fand das schockierend und erschreckend." Facebook hatte dem Vorwurf schon zu entkräften versucht und in einem Blogeintrag erklärt, dass diese Parktiken "deutlich verbessert" worden seien.

Facebook hat Entwicklern demnach Mitte 2014 die Möglichkeit genommen, auf die Daten von Freunden der Benutzer ihrer Apps zuzugreifen. Parakilas kann nur spekulieren, warum das geschehen ist. Er vermutet, dass sich Facebook-Verantwortliche darum sorgten, welchen Wert diese Daten in den Händen anderer Konzerne hätten. "Sie hatten Angst, dass sie ihr eigenes soziales Netzwerk bauen könnten", vermutet Parakilas. Er geht davon aus, dass bis dahin zehn- oder sogar Hunderttausende von App-Entwicklern auf diesem Weg massenhaft Daten aus Facebook abgegriffen haben. Das hieße, dass Daten "einer Mehrheit der Facebook-Nutzer" ohne ihre Wissen an App-Entwickler geflossen ist. Er habe das Unternehmen 2012 frustriert verlassen, aber "aus Eigeninteresse" lange nichts gesagt.

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(mho)

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