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Ex-NSA-Chef: "Terroristen lieben Gmail"

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Der ehemalige NSA- und CIA-Direktor Michael Hayden hat Googles E-Mail-Dienst Gmail als beliebtestes Internetangebot von Terroristen in aller Welt bezeichnet. Das werde zwar nie in einer Werbung von Google erwähnt werden, aber es sei doch ganz natürlich, schließlich sei Gmail "kostenlos und allgegenwärtig", erklärte er laut der Washington Post auf einer Veranstaltung zur "Spannung zwischen Sicherheit und Freiheit" in der US-Hauptstadt.

Hayden leitete die NSA von 1999 bis 2005.

(Bild: nsa.gov)

Auf die Frage, ob die massive US-amerikanische Überwachung des Internets nicht ein gefährliches Beispiel für andere Nationen abgebe, habe Hayden erklärt, weil die Ursprünge des Internets in den USA liegen, sei das Verhalten der NSA zumindest teilweise berechtigt. "Wir haben das Internet hier gebaut und es ist durch und durch amerikanisch." Auch deswegen fließe ein Großteil des Traffics durch US-Server, wo dann die Regierung "für Geheimdienstzwecke ein Bild davon macht". Die Zeitung weist darauf hin, dass diese Antwort US-Internetdienstleistern nicht schmecken dürfte, die viele Kunden im Ausland haben. Das betrifft nicht nur Plattformen wie Facebook, sondern etwa auch Cloud-Anbieter.

Eingestanden hat Hayden demnach jedoch, dass die USA angesichts der Angriffe auf fremde Infrastruktur im Netz für die Militarisierung des Internets verantwortlich gemacht werden können. Auf der Veranstaltung habe er gleichzeitig seine Abscheu gegenüber Anonymität im Internet durchblicken lassen. Das sei für ihn das größte Problem im Netz, wobei er eingestanden habe, dass in dieser Beziehung keine Einigkeit in der US-Administration herrscht. Immerhin habe das US-Außenministerium Aktivisten des Arabischen Frühlings mit Technik zur Anonymisierung versorgt.

Zuletzt skizzierte Hayden zwei Visionen für das Internet: Entweder werde es zu einem globalen digitalen Treffpunkt, "mit Schmetterlingen und weicher Musik im Hintergrund", oder zu einer Zone, in der frei geschossen werden darf ("free-fire zone"). Angesichts seiner Vergleiche des Internets mit dem Wilden Westen oder dem bürgerkriegsgeplagten Somalia halte er wohl das Zweite für realistisch, so die Zeitung. (mho)

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