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Exklusive Förderprogramme für Taxis mit alternativen Antrieben fehlen

In Hamburg fährt nur ein Taxi vollelektrisch. Der Umstieg auf alternative Antriebe liegt hinter den Erwartungen. Warum bleiben die Unternehmen beim Diesel?

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(Bild: dpa, Andreas Arnold)

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Nur eines von 2223 Taxis in Hamburg ist vollelektrisch unterwegs, 240 sind Hybrid-Fahrzeuge. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der FDP-Abgeordneten Ewald Aukes und Michael Kruse hervor. "Der rot-grüne Senat versagt bei der Förderung der Elektromobilität auf ganzer Linie: Weder werden die selbstgesteckten Ziele erreicht noch flächendeckende Lösungen angeboten", erklärte Aukes. Der Senat habe sich noch nicht einmal damit befasst, wie das Ziel von 3000 Elektrotaxis bis 2020 erreicht werden soll.

Zwar gibt es laut Senatsantwort eine Reihe Förderprogramme für Elektromobilität, doch handele es sich bei keinem davon um eine "exklusive Förderung nur für Taxiunternehmen", monierte der FDP-Politiker. Der Umstieg auf alternative Antriebstechnologien im Hamburger Taxigewerbe sei bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben, räumte der Senat ein. Hauptgrund hierfür sei eine mangelnde Angebotsvielfalt an geeigneten batterieelektrischen Fahrzeugen, Plug-In-Hybriden sowie wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Fahrzeugen.

Den Angaben zufolge fahren in Hamburg 1924 Taxis mit Diesel und 7 mit Benzin. 24 nutzen Erdgas, 27 können Gas oder Benzin einsetzen. Von den 240 teilelektrischen Hybriden sind 12 sogenannte Plug-In-Hybride, die Strom aus der Ladestation brauchen, und 228 selbstaufladende Hybrid-Fahrzeuge. Darüber hinaus sind weitere 959 Taxis zugelassen, deren Antriebsart aber nicht erfasst ist (Stichtag 3. Juli). Die Sammeltaxi-Dienste Moia, Ioki und Clever Shuttle, die nur Elektro- oder Wasserstoff-Fahrzeuge einsetzen, befinden sich im Probebetrieb.

Der Besitzer des einzigen vollelektrischen Taxis, Kostyantyn Khmelevskyy, sagte, er habe vorher viele Probleme mit einem Diesel der Euro-5-Abgasnorm gehabt. Sein Elektrotaxi sei im Betrieb günstiger, weil es weniger Schmierstoffe brauche und weniger Verschleiß an den Bremsen habe. Die Reichweite betrage allerdings nur 200 Kilometer, auch wenn er auf Autobahnfahrten, Klimaanlage und Heizung verzichte. Von seinen Fahrgästen interessierten sich nur ein bis zwei Prozent für den Elektroantrieb. "Den Kunden ist es ganz egal, welchen Antrieb das Auto hat", sagte der ukrainisch-stämmige Fahrer aus dem Stadtteil Dulsberg.

Drei Gründe hielten Taxi-Unternehmer vom Kauf der E-Autos ab, sagte der Sprecher von Hansa-Taxi, Claus Hönig: Die hohen Anschaffungskosten, die geringe Reichweite und die zeitraubende Aufladung der Batterie. Ein von mehreren Fahrern genutztes Taxi sei rund um die Uhr im Einsatz und fahre im Jahr bis zu 100.000 Kilometer. Das seien gut 270 pro Tag. Eine mehrstündige Ladezeit würde einen Einnahmeverlust bedeuten. Was hinzukommt: Ein Auto mit herkömmlichem Antrieb kann nach der Abschreibung noch nach Osteuropa oder Afrika verkauft werden. Für Elektrofahrzeuge gibt es diesen Markt nicht. (bme)