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Experte: Internet schafft neue rechtsradikale Strukturen

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Vor virtuellen Neonazi-Organisationen hat der Wiesbadener Politologe Rainer Fromm gewarnt. Das Internet schaffe zunehmend eigenständige rechtsradikale Gruppierungen. Dies sei eine neue Qualität rechtsextremer Gefahren durch das Internet, sagte Fromm auf einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung in Weimar. Möglich sei, dass sich aus diesen Strukturen regelrechte Neonazi-Organisationen entwickelten.

Fromm hat in Deutschland etwa 500 rechtsextreme Internet-Seiten ausgemacht. In den USA stünden rund 2.000 Homepages rechtsextremen Inhalts im Netz. In Thüringen könne man über die einzelnen Seiten rechter Kameradschaften nahezu das komplette Spektrum rechtsextremer Internet-Angebote abrufen, zunehmend würden auf diesen Seiten auch Verbindungen zu Bands der rechten Musikszene gelegt. Ein Zugriff auf die Anbieter rechtsextremer Seiten sei kaum möglich, überwiegend würden Provider in den USA genutzt, neuerdings würden Homepages auch von Russland aus ins Netz gestellt.

Gefährlich ist Neonazi-Propaganda im Internet laut Fromm vor allem deshalb, weil rechtsextreme Inhalte mit allen technischen Raffinessen hoch attraktiv für Jugendliche gemacht würden und anonym abgerufen werden können. Seit kurzem seien im Internet sogar speziell auf Kinder zugeschnittene Seiten antisemitischen Inhalts zu finden.

Ein Gegengewicht zu rechtsextremen Verlockungen durch das Internet lasse sich am ehesten durch Information und Aufklärung aufbauen, so Fromm. Eltern und Lehrer seien in erster Linie gefordert. Gefahren des Internets müssten im Unterricht fachübergreifend thematisiert werden; Eltern dürften ihre Kinder nicht unkontrolliert im Netz surfen lassen. Zudem müssten auch demokratische Gruppen qualitativ gute und für Jugendliche attraktive Internet-Angebote aufbauen.

In Thüringen hatte das Oberlandesgericht kürzlich den Internet-Aufruf der rechtsextremen Kameradschaft Gera gegen einen Gewerkschaftsfunktionär verboten. (dpa)/ (wst)