Menü

Experte: Internetsuche ist kein Klimakiller

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 160 Beiträge

Jede Online-Suche verursacht klimaschädliches Kohlendioxid – die Zahl der Abfragen ist für das Ausmaß des CO2-Ausstoßes durch Suchmaschinen aber zweitrangig. Crawler, die im Netz ständig nach Veränderungen oder neuen Seiten suchen, seien in den riesigen Rechenzentren von Anbietern wie Google oder Bing immer aktiv – auch wenn gerade niemand eine Abfrage startet, erklärte der Klimaschutzexperte Andreas Grabolle dem dpa-Themendienst. Das sei auch bei als "grün" beworbenen Suchmaschinen der Fall, die auf Suchergebnisse großer Anbieter zurückgreifen.

Durch eine einzelne Suchabfrage entsteht nach Google-Angaben 0,2 Gramm CO2, einige Forscher haben aber einen höheren Ausstoß errechnet. "Die Spanne reicht von 0,2 bis 10 Gramm", erklärte Grabolle, der für die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online in Berlin arbeitet. Die Angaben schwankten derart stark, weil die Berechnungsgrundlage variiere. "Die Frage ist: Was rechne ich alles mit ein? Auch die Stromkosten, wenn ich meinen Computer anstelle, auch den Stromverbrauch für die Herstellung der Server in den Rechenzentren, auch den Datentransfer?".

Geht man von einem Basiswert von 5 Gramm CO2-Ausstoß pro Abfrage aus, ist ein durchschnittlicher Internetnutzer für den Ausstoß von rund 18 Kilogramm im Jahr verantwortlich, hat Grabolle errechnet. "Das gilt, wenn jemand jeden Tag zehn Abfragen startet." Im Vergleich zum CO2-Ausstoß eines Autos sei dieser Wert gering: "Diesen Wert habe ich auf der Autobahn schon nach 70 bis 80 Kilometern erreicht."

"Grüne Suchmaschinen", die damit werben, bei der Abfrage entstehende CO2-Emissionen zum Beispiel durch Spenden für Klimaprojekte zu kompensieren, seien mit Vorsicht zu genießen, sagte Grabolle: "'Grüne Suchmaschinen' vermitteln Nutzern das Gefühl, dass sie beim Surfen noch etwas Gutes für die Umwelt tun. Aber sie machen den Nutzer nicht automatisch zum grünen Surfer." Denn die Suchabfragen selbst liefen immer über Branchenriesen wie Google oder Bing, weil die Betreiber der "grünen Suchmaschinen" selbst gar nicht über die nötigen riesigen Rechenzentren verfügten.

Grabolle empfiehlt, den Umweltschutz ganz klassisch anzupacken: "Der Computer sollte ausgeschaltet werden, wenn man ihn nicht benutzt. Das spart viel Strom und reduziert den CO2-Ausstoß". (anw)