Experte: Plastik-Chips machen Silizium immer mehr Konkurrenz

Leuchtende und elektrisch leitfähige Kunststoffe werden das teure Silizium nach den Worten des Ulmer Chemikers Peter Bäuerle in Alltagsgegenständen immer mehr verdrängen.

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Leuchtende und elektrisch leitfähige Kunststoffe werden das teure Silizium nach den Worten des Ulmer Chemikers Peter Bäuerle in Alltagsgegenständen immer mehr verdrängen. Vielfarbdisplays für Laptops zum Beispiel kämen bereits in den nächsten Jahren auf den Markt, sagte Bäuerle in einem dpa-Gespräch. "Plastik gilt allgemein als Isoliermaterial. Inzwischen werden Leuchtdioden aus Kunststoff aber bereits als Einfarbdisplays in Handys oder Autoradios genutzt."

Vor Beginn des 5. Internationalen Symposiums über funktionelle Pi-Elektronensysteme am Mittwoch in Ulm sagte der Leiter der Abteilung Organische Chemie an der Universität Ulm für die kommenden Jahre weitere Durchbrüche in der Polymerforschung voraus. "Polymer-Leuchtdioden sind bis zu 100-Mal heller als ein herkömmlicher Computer- oder Fernsehbildschirm." Da sie außerdem selbst leuchten, sei das Bild oder die Schrift aus jedem Winkel zu erkennen. "Wer heute aus einem schrägen Winkel auf einen Bildschirm schaut, sieht dagegen nichts mehr", sagte Bäuerle.

Auch im Bereich der Billigangebote wie Chipkarten oder Barcodes werde die Plastikelektronik spätestens in fünf Jahren das Silizium verdrängen. "Plastik-Chips sind viel preiswerter als Silizium-Chips und können wegen ihrer Löslichkeit besser verarbeitet werden." Etwas länger wird es nach Einschätzung Bäuerles noch dauern, bis Kunststoffe Licht in Strom verwandeln können: "Seit fünf Jahren arbeitet die Wissenschaft an polymeren Solarzellen. Bisher konnte Sonnenlicht erst zu gut drei Prozent in Strom umgewandelt werden." Wenn die Entwicklung erfolgreich sei, könnten großflächige und biegsame Solaranlagen angeboten werden -- zu einem deutlich niedrigeren Preis.

Doch damit will sich der Ulmer Wissenschaftler nicht zufrieden geben: "Die ultimative Vision ist, Dioden, Transistoren und andere elektronische Komponenten aus einzelnen oder wenigen Molekülen herzustellen." Dadurch könne die Größe von Computern dramatisch verringert und ihre Schnelligkeit erhöht werden. (wst)