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Experte: Vorgehensweise bei ersten CRISPR-Babys "grenzt an Kriminalität"

Das chinesische Forscherteam, das die Geburt der ersten geneditierten Kinder verkündete, hat seinen Erfolg offenbar übertrieben und höchst fragwürdig gehandelt.

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(Bild: gopixa/Shutterstock.com)

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Ein unveröffentlichter Fachaufsatz des chinesischen Forschers He Jiankui, in dem Ende 2018 die Geburt der ersten mit Hilfe der Editiermethode CRISPR genetisch veränderten Babys verkündet wurde, lässt viele Fragen offen und Verstöße gegen geltendes Recht und ethische Normen vermuten. Das berichtet Technology Review online in "CRISPR-Babys: An der Grenze zur Kriminalität".

Der US-Ausgabe von Technology Review wurden zwei Manuskripte zugespielt, die vermutlich von He stammen und zur Veröffentlichung in Fachzeitschriften vorgesehen waren. Der Text der beiden Aufsätze ist voller großer Behauptungen über einen medizinischen Durchbruch, der "die HIV-Epidemie kontrollieren" könne. Mehr als einmal wird das Wort "Erfolg" verwendet, in Zusammenhang mit einer "neuartigen Therapie", um die Mädchen HIV-resistent zu machen. Überraschenderweise aber enthalten die Aufsätze kaum Belege dafür, dass dies tatsächlich gelungen ist. Außerdem ignorieren sie weitgehend Daten, die dafür sprechen, dass bei der Gen-Editierung etwas schiefgelaufen ist.

Technology Review legte die Aufsätze Experten aus den Bereichen Recht, Genetik und Reproduktionsmedizin für Stellungnahmen vor. Zwei Punkte darin erscheinen demnach besonders kritisch.

Zum einen diente die Arbeit, anders als teilweise vermutet, gar nicht dazu, die Zwillingsmädchen mit HIV-infiziertem Vater davor zu schützen, schon mit dem Virus auf die Welt zu kommen – dies wurde mit dem konventionellen und bewährten Verfahren einer Samenwäsche erreicht. Darüber hinaus haben die Forscher nicht überprüft, ob die editierten Embryos tatsächlich die (für später im Leben) angestrebte HIV-Resistenz aufwiesen, bevor sie in den Uterus der Mutter übertragen wurden. Für Fyodor Urnov vom Innovative Genomics Institute der University of California in Berkeley grenzt dieses Versäumnis unabhängig von den Gründen dafür an Kriminalität.

Mehr dazu bei Technology Review online:

(sma)