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Experte fordert realistische Angaben zur Reichweite von Elektroautos

Wie weit man mit einem Elektroauto kommt? Nicht allzu weit, denn die Batterie gibt oft nicht allzu viel her. Ein Branchenfachmann fürchtet eine Frustration der Verbraucher und richtet einen Appell an die Hersteller.

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Elektroauto beim Aufladen

Nach zwei Stunden Autobahn braucht ein Elektroauto mindestens zwanzig Minuten an der Steckdose.

(Bild: Stefan Porteck)

Wegen unrealistischer Reichweitenangaben bei Elektrofahrzeugen könnte der Autobranche nach Expertenmeinung ein Imageverlust drohen. Weil der Verbrauch und die Reichweite von E-Autos mit dem gleichen Prüfzyklus wie bei Benzin- und Dieselfahrzeugen gemessen würden, wichen die Angaben stark von der Reichweite im realen Betrieb ab, sagte der Chef des Instituts für Automobilwirtschaft (Ifa) in Geislingen, Willi Diez, der Deutschen Presse-Agentur.

"Wenn jetzt deutlich mehr E-Autos verkauft werden wegen der Elektroprämie der Bundesregierung, wird die Frustration unter den Verbrauchern über die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis bei der Reichweite wachsen", meinte Diez. Hieraus könnte sich eine Negativdebatte entwickeln, die das Image der Elektroautos beschädigen und deren bisher ohnehin nur schleppenden Verkauf abbremsen könnte.

Derzeit werden die Reichweiten nach dem alten europäischen Fahrzyklus ermittelt. Dabei werde nicht nur der Stromverbrauch im Fahrbetrieb, sondern auch der Einfluss der Heizung und der Klimaanlage auf die Reichweite unterschätzt. "Die Reichweite in der Alltagsnutzung kann daher 20 bis 40 Prozent niedriger sein als vom Hersteller beworben", sagt Diez. Statt versprochenen 180 Kilometern schaffe es manch ein Elektroauto nur auf etwa 110 Kilometer.

Die Umstellung auf einen neuen, gesetzlich vorgeschriebenen Prüfzyklus komme wahrscheinlich erst 2018 – nach Diez zu spät. "Es wäre ehrlicher gegenüber dem Kunden, wenn die Hersteller schon jetzt freiwillig auf eine gemeinsame realitätsnähere Reichweitenmessung umstellen", sagte der Institutschef. Dabei verwies er auch auf den Diesel-Skandal, bei dem die Abweichung zwischen theoretischen und praktischen Werten ein Kern des Problems ist. "Dadurch ging Vertrauen der Kunden verloren. Daraus sollten die Hersteller gelernt haben und jetzt proaktiv handeln", sagte Diez.

Sein Appell richtet sich generell an alle Hersteller von E-Autos. Er befürchtet in den nächsten Monaten einen Wettstreit der Hersteller bei den Reichweiten-Angaben, die ein zentrales Verkaufsargument seien. In diesem Wettstreit könne die Kluft zwischen Theorie und Praxis sogar noch größer werden, warnte Diez. Die Autohersteller müssten dies erkennen und entsprechend umsteuern

Etappe eins: Vom Flachland in die Alpen (12 Bilder)

Richtig los ging's in Nörten-Hardenberg: Dort steht die erste Stromzapfsäule auf der Route nach Österreich. (Bild: Sven Hansen)

Elektro-Autos gibt es schon zu kaufen, die Tankstellen mit dem passenden Auflader sind noch recht selten. Die c't-Redakteure Sven Hansen und Stefan Porteck machten im Juni die Probe aufs Exempel und fuhren in die Österreichischen Alpen und wieder zurück nach Hannover. (Mit Material der dpa) / (imj)

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