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Experten: Kein breiter E-Payment-Standard in Sicht

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Es ist noch völlig unklar, welchem E-Payment-System der breite Durchbruch im Internet gelingen wird. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam eine Expertenrunde auf der Podiumsdiskussion "ePayment – ist Erfolg käuflich?", die am gestrigen Donnerstag Abend in München stattfand.

Internetguru Ossi Urchs bezweifelte generell die Notwendigkeit eines reinen Internet-Bezahlsystems. Im Geschäftsbereich sei die "gute alte Rechnung" nach wie vor völlig ausreichend, und bei Business-To-Consumer-Geschäften (B2C) habe sich die "antiquierte Kreditkarte" längst als Macropayment-System durchgesetzt. "Online-Bezahlsysteme werden überhaupt nur eine Rolle spielen können, wenn sie einen echten Mehrwert bieten", sagte Urchs. Als Beispiel nannte er den für viele unerwarteten Erfolg des Handy-Paymentsystems Paybox.

Einigkeit bestand in der Runde darüber, dass die Angst der Kunden vor Missbrauch weitgehend unbegründet sei. Joachim Henkel vom Münchener Institut für Innovationsforschung und Technologiemanagement sprach in diesem Zusammenhang von einem Paradoxon: "In Sachen Bezahlung ist der Kunde wirklich König, weil er quasi jede online getätigte Zahlung stornieren darf." Das Risiko läge fast ausschließlich bei den Händlern. Es sei seltsam und unbegründet, dass sich die Anwender aber gerade hier auf der schwachen Seite sehen würden.

Den Grund dafür sieht Fachbuchautor Thomas Köhler unter anderem in der Medienberichterstattung: "Viele Anwender glauben nach wie vor, das Internet besteht hauptsächlich aus Betrügern und Pornohändlern." So lange dieses und andere Vorurteile nicht ausgeräumt würden, müssten die E-Shops weiter mit dem Phänomen "der vollen Einkaufswägen kämpfen, die in den Läden stehen gelassen werden."

Ein wesentlicher Hemmschuh beim Bezahlen im Internet sei die mangelnde Anonymität, konstatierte die Runde. Einig war man sich darüber, dass eine Anonymität gegenüber dem Zahlungsempfänger nicht möglich sei. Detlev Hoppenrath, Chef des E-Payment-Anbieters Wire Card, ging noch einen Schritt weiter: "Das anonyme Bewegen von Geld im Internet wird für immer ein Traum bleiben." (Holger Bleich) / (wst)