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Experten haben gute Chancen in der IT - trotz Krise

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In den USA traf die Wirtschaftskrise den IT-Markt schon im vergangenen Jahr hart, seit dem Jahreswechsel verdichten sich aber auch hierzulande die Anzeichen für einen Abwärtstrend in der Branche. So meldete die Bundesagentur für Arbeit Ende Januar einen deutlichen Anstieg der Zahl arbeitsloser IT-Fachleute auf knapp 28.000. Die zum Teil Ende 2008 abgegebenen Prognosen verschiedener Analysten hinsichtlich der Entwicklung im Hardware- aber auch im Service- und Projektgeschäft scheinen sich allmählich zu bestätigen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nur konsequent, wenn Firmen unter dem wachsenden Kostendruck auch ihr Personalmanagement unter die Lupe nehmen. Vor allem mittelständische Unternehmen wollen sich in nächster Zeit mehrheitlich intensiv mit dem Thema Personalkostenplanung und -controlling auseinandersetzen, wie eine aktuelle Umfrage des Softwareanbieters s+p AG zeigt. Personalabbau ist allerdings nicht der einzige Weg zur Kostenreduzierung: "Unsere Umfrage belegt sehr deutlich, dass ein Großteil der über 300 befragten Unternehmen beispielsweise auch über flexiblere Arbeitszeitmodelle nachdenkt, um sich für die Wirtschaftskrise zu rüsten", erklärt s+p-Geschäftsführer Matthias Schneider.

Mit einem massiven Stellenabbau in der IT-Branche rechnet auch Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer nicht. Noch Ende Februar betonte er in einem Zeitungsinterview: "Auch wenn viele Unternehmen vorsichtiger bei Neueinstellungen geworden sind, nur wenige planen einen Personalabbau." Zudem sei die Zahl der im Januar 2009 arbeitslos gemeldeten IT-Fachkräfte unter dem Vergleichsniveau des Vorjahres geblieben. Die Branche leide weiterhin unter einem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. In der deutschen Wirtschaft sind laut Bitkom aktuell noch über 40.000 Stellen für IT-Experten unbesetzt.

Während viele Firmen sich vermehrt auch im Ausland nach passenden Mitarbeitern umsehen – laut einer Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) der Fachhochschule Ludwigshafen haben über 50 Prozent hiesiger Unternehmen in den vergangenen Jahren Fachkräfte außerhalb Deutschlands rekrutiert – setzt der Bitkom seine Bemühungen um eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen hierzulande fort. Die Initiative "Erlebe IT" soll den Nachwuchs an technische Berufe heranführen. Denn wie das Marktforschungsunternehmen Forsa im Auftrag des Branchenverbands herausgefunden hat, zeigen fast 40 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren "großes bis sehr großes Interesse" am Berufsfeld Informations- und Telekommunikationstechnik, aber nur 11 Prozent der Abiturienten wollen auch ein entsprechendes Studium aufnehmen. Unter den Schülern ist der Anteil jener, die sich konkret für eine IT-Ausbildung entscheiden wollen, noch geringer.

Auch heute gilt unverändert: Hohe Qualifikation sichert den Arbeitsplatz.

(Bild: IAB)

Um den Nachwuchs gezielter an einen Beruf in der IT heranzuführen, sieht Bitkom-Präsident Scheer Optimierungsbedarf in der Ausbildung und fordert die Einführung von Informatik als Pflichtfach an Schulen: "Wir sollten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und die Bedingungen in Schulen und Hochschulen konsequent verbessern." Aber auch in den Betrieben müssten die Voraussetzungen für die Aus- und Weiterbildung in der IT so gestaltet werden, dass Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber profitieren.

Einen für beide Seiten gangbaren Weg stellt schon heute das berufsbegleitende Studium dar. Während die Ausbildung dabei häufig im Fernstudium am Abend, in der Frei- und Urlaubszeit bewältigt werden muss, geht beispielsweise die 2007 gegründete Northern Business School (NBS) in Hamburg einen alternativen Weg. Die Bildungseinrichtung offeriert ein "Präsenzstudium am Wochenende", wobei die Vorlesungen Freitagabend und am Samstag absolviert werden. "Wir verstehen uns als Hochschule der Wirtschaft", erläutert Mirko Knappe, Geschäftsführer der NBS, "dementsprechend wurden auch die Belange von Arbeitgebern bei der Konzeption unseres Studienmodells berücksichtigt."

So können beispielsweise Studienfächer wie Wirtschaftsinformatik mit dem Abschluss als Bachelor of Science komplett in rund 1800 Vorlesungsstunden absolviert werden. In Absprache mit dem Arbeitgeber besteht aber auch die Option, einzelne Module wie etwa Buchführung bei entsprechendem Bedarf als Inhouse-Schulungen direkt im Unternehmen durchzuführen, erläutert Knappe.

Finanzielle Gründe gaben beispielsweise für Benjamin Gäbler den Ausschlag, ein berufsbegleitendes Studium an der NBS aufzunehmen. "Ich will durch ein Studium der Wirtschaftsinformatik meine Aufstiegschancen verbessern, ohne meinen Job aufgeben zu müssen", erklärt der gelernte und beim Handelskonzern Otto tätige Informatikkaufmann. Auch die IT-System-Elektronikerin Daniela Hinze hätte ein Vollzeitstudium nicht aus eigener Kraft finanzieren können. Die in der IT-Abteilung von Kalorimeta tätige 27-Jährige entschloss sich aber bewusst gegen ein Fernstudium: "Den Großteil der Stunden, die ich dabei alleine zu Hause sitzen und lernen würde, verbringe ich jetzt in Gesellschaft. Man lernt hier an der NBS eben nicht allein – bei Problemen habe ich stets einen Ansprechpartner."

Im berufsbegleitenden Studium können die Studenten Kenntnisse und Kompetenzen erwerben, die ihnen unmittelbar im Job zugute kommen. Zudem verbessert sich weiterhin generell die Arbeitsmarktsituation von Akademikern wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Rahmen einer Studie ermittelt hat. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen lag laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr mit 3,7 Prozent deutlich unter den 8,2 Prozent von Personen mit mittlerem Bildungsabschluss (Abitur oder klassische Berufsausbildung). (map)