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Experten raten zur Selbstverwaltung der DNS-Rootzone

Auf der Konferenz NetMundial zur Zukunft gemeinsamer Regulierung fürs Netz hat der US-Politikprofessor Milton Mueller vorgeschlagen, die Aufsicht über die zentrale Rootzone des Domain Name System nicht zu internationalisieren.

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Die Aufsicht der USA über die zentrale Rootzone des Domain Name System ist nach der NSA-Affäre erneut der diplomatische Zankapfel Nummer eins. Der US-Politikprofessor Milton Mueller, der sich auf Internet Governance spezialisiert hat, schlägt jetzt vor, die Aufsicht nicht zu internationalisieren, sondern selbst zu verwalten.

So könnte Streit darüber beendet werden, wer in die Fußstapfen der USA als Sicherheitsgarant oder Kontrolleur treten sollte. Trotzdem dürfte vielen Regierungen dieser Vorschlag nicht schmecken, denn er würde sie bei der Aufsicht über eine zentrale Netzverwaltung außen vor lassen.

Milton Mueller

(Bild: Syracuse University )

Der US-Wissenschaftler Mueller hat seinen Vorschlag zusammen mit seinem Kollegen Brendon Kuerbis für die Konferenz NetMundial zur Zukunft gemeinsamer Regulierung fürs Netz in Brasilien vorgelegt, die von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) initiiert wurde. Er sieht einen neutralen Betreiber der DNS-Aufsicht vor, die Domain Name System Authority (DNSA).

Verantwortlich für die nicht-kommerziell arbeitende DNSA sollen die Top Level Registries und die Betreiber der 13 Rootserver sein. Regeln und Verfahren würden weiterhin bei der ICANN in deren Multi-Stakeholder-Verfahren entwickelt. Die DNSA wäre also lediglich dafür verantwortlich, die Rootzone zu bespielen – und dazu an die Vorgaben der ICANN gebunden.

Die Aufgabe von VeriSign als Betreiberin des zentralen Zuspielservers würde in der DNSA aufgeben. Der US-Vertrag mit der IANA und mit VeriSign würde in der jetzigen Form obsolet. Das Management der Protokollnummern-Registrierung würde von der Internet Engineering Task Force (IETF) übernommen. Die Vergabe der IP-Adressen solle bis auf weiteres bei der ICANN bleiben. Die regionalen Internet Registries (RIRs), die "IP-Adresskunden" der IANA, waren an sich die ersten, die eine derartige Aufspaltung der IANA-Aufgaben vor über einem Jahrzehnt vorgeschlagen haben. Sie wollten die IP-Adressvergabe damals in die Hände ihrer Dachorganisation legen.

Ob der Vorschlag der US-Wissenschaflter aufgegriffen wird, ist fraglich. Mueller und Kuerbis verweisen jedoch auf die aus Sicht der US-Regierung uneingelöste Aufgabe der "Privatisierung" der Internetverwaltung. Gleichzeitig unterstreichen sie den Einfluss, den die USA dank ihrer Aufsichtsrolle auch jenseits direkter Eingriffe genießen. Mueller verweist etwa auf den Druck, den die US-Regierung gegen die Zuteilung der Rotlichtdomain .xxx ausgeübt hat.

Die Notwendigkeit, den IANA-Vertrag immer wieder neu zu verhandeln, biete der US-Regierung ein Druckmittel gegenüber der ICANN. Überdies binde der IANA-Vertrag die ICANN rechtlich an einen Standort in den USA.

Bisherige Vorschläge zur IANA-Reform gingen meist dahin, die Aufsicht zu internationalisieren. Ein wenig beliebter Vorschlag der EU-Kommission riet vor einigen Jahren etwa zu einem "Rat der 12” oder einem vergleichbaren Kollegium. Auch der Regierungsbeirat der ICANN wurde schon als mögliches Aufsichtsgremium ins Spiel gebracht.

Ein ebenfalls zur NetMundial vorgeschlagenes Konzept sieht ICANN selbst in der Rolle als Rootbetreiber. Besser wäre es aber, meinen Mueller und Brendis, Policy- und operative Funktion zu trennen.

Eine Frage wäre freilich, wo die DNSA ihren Sitz haben soll. Dazu macht Mueller keine Aussage. Dafür rechnet er schon mal vor, dass ein Budget im unteren zweistelligen Millionenbereich bereit stehen sollte. 7 Millionen US-Dollar gibt derzeit die ICANN für den IANA-Betrieb aus, die Kosten von VeriSign seien unbekannt.

Die ICANN solle eine Anschubfinanzierung von 12 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen, meint Mueller. Die Domainverwalterin hat es ja, nach runden 200 Millionen Gebührenzahlungen durch die Bewerber um neue Top Level Domains. (anw)