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Experten warnen vor Verlängerung des Urheberrechtsschutzes für Musiker

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Mehrere europäische Wissenschaftler und Musikexperten wehren sich gegen Bestrebungen in der EU-Kommission, die Dauer von urheberrechtlichen Schutzrechten bei Musikwerken von 50 auf 95 Jahre zu verlängern. In einem offenen Brief an den Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso schreiben sie, eine Verlängerung der Schutzdauer würde die Kreativität und Innovation Europas stark beeinträchtigen. "Eine Verlängerung käme lediglich den großen, marktbeherrschenden Plattenfirmen zugute, und die Verfügbarkeit historischer Aufnahmen nehme ab", befürchten die Unterzeichner in einer ausführlichen Stellungnahme (PDF-Datei), die ebenfalls der EU-Kommission zuging.

Zu den Erstunterzeichnern des Briefes gehören neben dem Absender Professor Martin Kretschmer vom Centre for Intellectual Property Policy & Management (CIPPM) im britischen Bournemouth der Münsteraner Rechtsprofessor Thoma Hoeren, der sich bei früherer Gelegenheit über angebliche "Frechheiten der Musikindustrie" geärget hatte, und John Williamson, Manager der britischen Band Belle and Sebastian. Sie befürchten einen eingeschränkten Wettbewerb, steigende Endverbraucherpreise und eine Verschlechterung der Handelsbilanz der EU.

EU-Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy hatte im Februar vorgeschlagen, die Schutzdauer anzuheben. Bei den Rechten der Musikindustrie handelt es sich um Leistungsschutz-, keine Urheberrechte. Urheberrechte genießen einen Schutz von 70 Jahren ab dem Tod des Urhebers. McCreevy hatte diese Differenz zwischen der Schutzdauer von Urheber- und Leistungsschutzrechten als unsachgemäße Ungleichbehandlung empfunden: "Wir reden hier über tausende von anonymen Studiomusikern, die in den späten Fünfzigern und Sechzigern bei der Herstellung von Schallplatten mitwirkten. Diese Künstler werden bei Auslaufen ihrer Urheberrechte alle Lizenzeinnahmen verlieren." In ihrer Stellungnahme legen die Experten aber dar, dass von einer Verlängerung der Schutzdauer nur jene Musiker profitieren würden, die es wegen ihres bereits erlangten Wohlstands nicht nötig hätten. (anw)