Expertin: Mehr Frauen in der Informatik würden allen guttun

In wenigen Bereichen der Gesellschaft sind Frauen so unterrepräsentiert wie in den Computerwissenschaften und Berufen der IT-Branche. Dies zeige sich auch in der Bedienung von technischen Geräten, so die Expertin Barbara Schwarze.

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  • Peter Zschunke, dpa

Die Männerdominanz in der Computerbranche kann zu einer einseitigen Gestaltung der digitalen Lebenswelten führen: "Das sehen Sie etwa bei der Steuerung von Handys und Telefonanlagen", sagte Professorin Barbara Schwarze in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa zum Internationalen Frauentag an diesem Dienstag. So werde bei der Softwareentwicklung für technische Geräte oft zu wenig überlegt, wie Verbraucher mit der Benutzerführung zurechtkämen.

Der "Nationale Pakt für Frauen in Mint-Berufen" wirbt mit einer eher stylisch gehaltenen Website.

"Es würde unserer digitalen Lebensumwelt guttun, wenn mehr Frauen daran mitwirken würden", sagte die Soziologin an der Hochschule Osnabrück, die sich auch beim Nationalen Pakt für Frauen in Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) engagiert, einer Initiative des Bundesbildungsministeriums. "Wir müssen da mehr Vielfalt haben."

Aufgrund gesellschaftlicher Prägungen und geschlechtsspezifischer Erziehungsstile gebe es vielfach unterschiedliche Herangehensweisen an ein IT-Projekt, erklärte Schwarze. Frauen hätten seltener als Männer die Haltung, schon von vornherein zu wissen, wie eine Aufgabe zu lösen sei. "Wenn wir in einer Arbeitsgruppe zu 85 Prozent junge technikbegeisterte Männer haben, kann das nicht gut sein." Es sei sinnvoll, auch die Erfahrung von Frauen und Älteren einzubeziehen.

Bei den Erstsemestern in der Informatik haben Frauen nach jüngsten Zahlen einen Anteil von 19,2 Prozent. "Das Interesse wächst", so Schwarze. An der Schule gebe es für junge Frauen aber oft nicht die Möglichkeit, eine Perspektive für ein Informatikstudium zu entwickeln. Dies könnte durch gezielte Wahlpflichtangebote verbessert werden, die auch einen Einblick in die Berufspraxis bieten sollten.

"Wir brauchen eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Unternehmen und Hochschulen, um das erlebbar zu machen", forderte die Professorin. Oft werde diese Berufswahl zu einseitig in einer "Hardcore-Programmierung" von Software gesehen. Dabei gebe es in den IT-Berufen "eine unglaublich große Vielfalt von Tätigkeiten". Schließlich gehe es dabei auch um die Gestaltung der Zukunft von Arbeitsplätzen und der gesellschaftlichen Entwicklung überhaupt. Dies müsse mehr als bisher auch schon zu Beginn der Informatik-Studiengänge vermittelt werden, empfahl die Professorin. (anw)