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Explodierte US-Rakete: Wer soll das bezahlen?

Ende Oktober explodierte eine Antares-Rakete von Orbital Sciences beim Start. Die Reparatur der Startrampe kostet Millionen. Virginia, NASA und Orbital streiten über die Haftung.

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Explosion der Antares-Rakete

Am 28. Oktober 2014 explodierte die Antares-Rakete von Orbital Sciences. Sie war unbemannt.

(Bild: NASA/Joel Kowsky)

Ende Oktober explodierte eine unbemannte Antares-Rakete beim Start im US-Bundesstaat Virginia. Das verursachte erhebliche Schäden an der Startrampe. Der Staat und die NASA haben freiwillig Millionen beigesteuert, doch jetzt ist Schluss. Sie wollen, dass Raketenbetreiber Orbital ATK den Rest zahlt. Offenbar streiten die Parteien darüber, wer haftet.

Orbital ATK ist einer jener privaten Anbieter, die im Auftrag der NASA tätig sind. Die Antares-Rakete sollte am Mid-Atlantic Regional Spaceport (MARS) starten und die ISS mit Nachschub versorgen. Sechs Sekunden nach dem Start kam es bei der Rakete zu einer katastrophalen Fehlfunktion, so dass ihre Selbstzerstörung eingeleitet werden musste. Die Reparaturarbeiten an der Startrampe des MARS sind mit 13 Millionen US-Dollar veranschlagt, was nur ein Bruchteil des Gesamtschadens ist. Trotzdem fehlen schon hier zwei Millionen.

Ein HD-Video der Explosion, ohne Ton.

MARS gehört dem Staat Virginia, der dafür ein Eck der NASA-Einrichtung Wallops Flight Facility gemietet und 90 Millionen US-Dollar in die Errichtung investiert hat. Für die nun erforderlichen Reparaturen hat die NASA fünf Millionen Dollar beigesteuert, Virginia drei Millionen. Freiwillig, wie Spacenews berichtet, denn sie sehen sich dazu rechtlich nicht verpflichtet. Orbital, das in Folge der Fusion mit den Waffen- und Luftfahrt-Sparten von Alliant Techsystems nicht mehr Orbital Sciences sondern nun Orbital ATK heißt, hat ebenfalls drei Millionen gezahlt.

Also fehlen noch zwei Millionen. Wenn Orbital sie aufbringt, könnten die Arbeiten bereits im September abgeschlossen werden. Das Unternehmen wollte sich gegenüber Spacenews aber nicht zur Sachlage äußern.

Die Druckwelle der Explosion warf auch in erheblicher Entfernung Menschen zu Boden.
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Wenige Tage nach der Antares-Explosion war das SpaceShipTwo von Virgin Galactic in Kalifornien abgestürzt. Dabei kam der Testpilot ums Leben. Virgin Galactic möchte eines Tages Spendierfreudige vom Spaceport America in Neumexiko für einige Minuten ins All schießen. Beide Unglücksfälle haben politische Folgen.

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, stellt die Strategie seines Staates in Frage. Den 90 Millionen Errichtungskosten für den MARS, wozu noch Betriebs- und nun Reparaturkosten kommen, stehen nur geringe Einnahmen gegenüber: Orbital zahlt pro Start 1,5 Millionen Dollar. Der Fehlschlag im Oktober war erst der vierte Start. Und MARS ist auf Orbitals Antares-Rakete zugeschnitten. McAuliffe wünscht sich eine Kursänderung und lässt nach anderen Einnahmequellen suchen.

Auch in Neumexiko ist die Stimmung inzwischen schlecht. Steuerzahler haben über 200 Millionen Dollar in den Spaceport America investiert, der sowohl vertikale als auch horizontale Starts ermöglicht. Virgin Galactic hat sich dort eingemietet und sollte auch andere Firmen anziehen.

Doch Virgin lag schon vor dem Unglück im November mehrere Jahre hinter dem Zeitplan. Zwar zahlt das Unternehmen inzwischen Miete für sein Gebäude. Und andere Projekte starten hie und da eine Rakete vom Spaceport America in der Wüste Neu Mexikos; 2013 explodierte dort eine Rakete von Armadillo Aerospace. Doch die Einnahmen stehen bislang in keinem Verhältnis zu den Kosten. Offenbar ist die private Raumfahrtindustrie doch nicht so privat wie es heißt.

Die NASA hat tatsächlich erheblich geringe Kosten für ihr Raumfahrtprogramm. Aber Staaten und Kommunen bringen erhebliche indirekte Subventionen auf. Sie errichten Startplätze und gewähren Steuererleichterungen. Außerdem befreien sie die privaten Raumflieger und ihre Zulieferer von bestimmten Haftungen bei Unglücksfällen. Die Politiker hoffen auf eine blühende Zukunft der privaten Raumfahrtindustrie und wetteifern daher um die Ansiedelung der Unternehmen. Denn eines Tages könnte das Steuereinnahmen sprudeln lassen.

Rakete schön (7 Bilder)

Startrampe am Tag danach

Die Kosten von Rakete und Raumtransporter alleine belaufen sich auf 200 Millionen Dollar. Dazu kommt die verlorene Fracht, die Schäden am Boden, und eine lange Liste an Neben- und Folgekosten. (Bild: NASA/Terry Zaperach)

(ds)

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