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FBI: Erneut Whistleblower nach Leak an The Intercept festgenommen

In Minneapolis ist ein FBI-Agent festgenommen worden, weil er vertrauliche Dokumente an The Intercept weitergegeben haben soll. Vergangenes Jahr war bereits eine NSA-Agentin aufgeflogen, nachdem sie dem Onlinemagazin Informationen zugespielt hatte.

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(Bild: babawawa)

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Erneut ist in den USA ein Whistleblower von Ermittlern enttarnt worden, nachdem dem Onlinemagazin The Intercept Informationen zugespielt wurden. Das meldet der Radiosender MPR News aus dem US-Bundesstaat Minneosota. Demnach wurde ein FBI-Agent angeklagt, weil er geheime Dokumente an die Website des Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald weitergegeben haben soll. Auf Basis der zugespielten Dokumente habe The Intercept so spezifische Informationsfreiheitsanfragen gestellt, dass die Ermittler herausfinden konnten, welche die Redakteure vorliegen hatten. Mit diesem Wissen konnten sie demnach prüfen, welcher FBI-Mitarbeiter auf die Dokumente zugegriffen hat und den Whistleblower identifizieren.

Für The Intercept ist der Fall bereits der zweite innerhalb eines Jahres, in dem eine eigentlich anonyme Quelle enttarnt und angeklagt wurde. Im Juni 2016 war die NSA-Angestellte Reality Winner festgenommen worden, weil sie einen geheimen NSA-Bericht an das Onlinemagazin weitergegeben haben soll. Ihr war wohl eine Überwachungsfunktion in Farbdruckern zum Verhängnis geworden. Die müssen Ausdrucke mit einem eindeutig identifizierbaren Code versehen, mit dem sich jedes Blatt, zu einem bestimmten Drucker und einer bestimmten Druckzeit zurückverfolgen lässt.The Intercept hatte die Dokumente mit dem Code nicht nur an die NSA weitergegeben – damit die eventuelle Schwärzungen vorschlagen konnten –, sondern auch veröffentlicht. In der Folge hatte es Kritik an den Journalisten gegeben.

The Intercept hat bereits auf den Bericht reagiert und einmal mehr Geheimhaltungsgesetze in den USA angegriffen. Die seien zur Regierungszeit Barack Obamas häufiger angewendet worden als in allen vorhergehenden Amtszeiten zusammengenommen. Chefredakteurin Betsy Reed nennt den Rückgriff auf den Espionage Act, um Whistleblower anzuklagen, die Informationen von öffentlichem Interesse weitergeben, als ungeheuerlich. Jeder Journalist habe das Recht, über derartige Fälle zu berichten. Zu dem aktuellen Fall äußert sie sich aber nicht, denn ihr Magazin sage prinzipiell nichts zu anonymen Quellen.

(mho)