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FBI vs. Verschlüsselung: Mit falscher Zahl argumentiert

Vergangenes Jahr hat das FBI beklagt, das mehr als 7000 Mobilgeräte von Verdächtigen wegen der Verschlüsselung nicht einsehbar seien. Diese Zahl war aber massiv zu hoch – wegen eines "Programmierfehlers".

FBI und Verschlüsselung: Viel weniger Mobilgeräte nicht zu knacken als behauptet

(Bild: brenkee/DariuszSankowski)

In der Debatte um Verschlüsselung hat das FBI monatelang mit massiv überzogenen Zahlen argumentiert. So blieb der US-Bundespolizei nicht der Zugang auf mehr als 7000 Mobilgeräte verwehrt, sondern offenbar lediglich auf ungefähr 1200. Das berichtet die Washington Post und zitiert dabei auch ein Eingeständnis des FBI selbst. Ungefähr vor einem Monat sei man dort auf die falsche Zählung aufmerksam geworden und habe immer noch keine korrekte Zahl. Verantwortlich sei ein "Programmierfehler", durch den drei verschiedene Datenbanken falsch zusammengeführt und verschlüsselte Mobilgeräte mehrmals gezählt worden seien.

Die korrekte Zahl der Mobilgeräte, auf die die US-Behörde wegen technischer Hindernisse nicht zugreifen kann, ist von großer Bedeutung, weil sie in der Debatte um Verschlüsselung genutzt wird. FBI-Chef Christopher Wray hatte die Zahl im Herbst 2017 öffentlich genannt und kritisiert, dass Verschlüsselung "vorsichtig ausgedrückt, ein riesiges, riesiges Problem" sei. Kurz davor hatte die US-Regierung von IT-Konzernen eine "verantwortungsvolle Verschlüsselung" gefordert. Sicherheitsbehörden müssten einen Zugang zu verschlüsselter Kommunikation im Klartext erhalten. Wie genau, bliebe den Herstellern der Sofware überlassen. Diese als "Crypto Wars" zusammengefasste Debatte ist nicht neu, wurde aber durch die weite Verbreitung von Ende-zu-Ende verschlüsselnden Messengern neu entfacht.

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Wie die Washington Post nun erläutert, kommt das Eingeständnis der falschen Zählung zu einer problematischen Zeit für das FBI. Die Polizeibehörde steht seit Monaten im Fokus der Kritik von US-Präsident Donald Trump und seinen Anhängern und musste jüngst andere Fehler eingestehen. In der inzwischen wieder etwas abgeflauten Debatte um den Zugriff auf verschlüsselte Daten in Mobilgeräten dürfte das Eingeständnis dem FBI nicht helfen. Trotzdem beharrt die Behörde gegenüber der US-Zeitung darauf, dass der Weg aus dem Sichtfeld der Strafverfolger mittels Verschlüsselung ("going dark") ein ernstes Problem bleibe, nicht nur für das FBI, sondern auch für andere Behörden. Man werde sich weiter für eine Lösung einsetzen. (mho)

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