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FIFA-Bundesliga: Fußball-Vereine treiben ihr E-Sport-Experiment voran

In der VBL spielen Bundesliga-Klubs um die deutsche FIFA-Meisterschaft. Andere E-Sportarten bleiben bei den Verbänden aber auf dem Abstellgleis.

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VBL Club Championship: Die FIFA-Bundesliga sperrt E-Sports-Teams aus

(Bild: DFL)

Am Mittwoch finden die ersten Spiele der Virtual Bundesliga (VBL) Club Championship statt. Darin lassen aus der 1. und 2. Bundesliga bekannte Sportvereine ihre FIFA-19-Zocker gegeneinander antreten. Nach den insgesamt 21 Spieltagen nehmen die Spieler der bestplatzierten Clubs am Grand Final teil, um darin um den Meistertitel der FIFA-Bundesliga zu spielen.

Die Virtual Bundesliga entstand schon 2012 durch eine Kooperation zwischen dem DFL und Electronic Arts, dem Entwickler der FIFA-Reihe. Die Teilnehmer hatten zwar bereits eine Vereinszugehörigkeit, spielten aber recht lose in Einzel-Partien gegeneinander. Neu in diesem Jahr ist die Club Championship, die mehr Wert auf die einzelnen Mannschaften legt.

Die Teams lassen jeweils zwei Spieler zuerst in zwei Einzelspielen gegeneinander antreten. Jeder FIFA-Spieler steuert auf dem Bildschirm die Kicker seines Arbeitgebers. Anschließend findet noch ein 2 gegen 2 statt, bei dem sich die Zocker die Kontrolle über ihr Team teilen. Aus Fairness-Gründen werden die Stärken der virtuellen Kicker dabei vereinheitlicht.

Am Ende eines Spieltags kann ein Team also bis zu drei Siege einheimsen, dafür gibt es dann 9 Punkte – das Punktsystem wird wie selbstverständlich aus dem realen Fußballregelwerk übernommen. Die Veranstalter geben sich Mühe, den FIFA-E-Sport so nah wie möglich am realen Vorbild zu halten.

Das demonstriert auch die Liste der Clubs, die am Wettbewerb teilnehmen dürfen: Sie alle, vom VFL Bochum bis zu Bayer Leverkusen, sind traditionelle Sportvereine. Gaming-Gruppen wie Fnatic oder Gambit, die andere E-Sports-Szenen dominieren, sind bei der VBL zumindest augenscheinlich nicht dabei. Hinter dem Wappen des 1. FC Kölns verstecken sich aber zum Beispiel E-Sportler, die eigentlich bei SK Gaming unter Vertrag stehen.

Ein Trailer zur VBL verstärkt den Eindruck, dass es hier in erster Linie um die Popularität der klassischen Fußball-Vereine geht: Im Video werden vorrangig Stars und Szenen aus realen Fußball-Spielen gezeigt, die FIFA-Zocker sind nur eine Randnotiz wert.

E-Sport gilt den Vereinen als experimentelle Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erreichen. Dass das Konzept des virtuellen Sports einigen Anhängern der traditionellen Sportarten aber nicht ganz geheuer ist, zeigen abfällige Aussagen von Uli Hoeneß und Hans-Joachim Watzke – deren Mannschaften Bayern München und Borussia Dortmund nehmen an der VBL nicht teil.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund sieht im E-Sport bestenfalls Werbung für den "eigentlichen" Sport: Spiele mit Sport-Vorbild wie FIFA und NBA2k-Basketball werden gerne toleriert, alles andere wird als "E-Gaming" deklariert und als irgendwie besorgniserregend empfunden. DFB-Präsident Reinhardt Grindel bezeichnete E-Sport sogar als "absolute Verarmung".

Dass Sportvereine den E-Sport aber auch ernst nehmen können, beweist Schalke 04: Der Verein lässt seine Spieler nicht nur in FIFA virtuell kicken, sondern auch erfolgreich League of Legends spielen – obwohl das Dota-Spiel mit Fußball mal so gar nichts zu tun hat.

FIFA ist aber gerade für E-Sports-Fremdlinge so etwas wie die Einstiegsdroge in die Branche. Nicht nur ist die Toleranz für das Fußball-Spiel von EA unter ihnen höher als etwa für Counter-Strike oder Overwatch, die oft als gewalttätige Killerspiele abgetan werden. Auch das Regelwerk des Fußballs ist allgemein bekannt. Es fällt leicht, auch beim virtuellen Kick den Durchblick zu bewahren. Wer Starcraft oder League of Legends wirklich verstehen will, muss Zeit investieren oder selbst gespielt haben.

Die Spiele der VBL Club Championship werden bei Twitch übertragen. Den Auftakt macht am 16. Januar um 15:30, zu bester Fußballzeit also, die Begegnung zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC. Nürnberg. Am 17. Januar um 20:15 werden außerdem die Partie zwischen RB Leipzig und dem SV Werder Bremen auf ProSieben Maxx ausgestrahlt. Spielplan und Tabelle der VBL Club Championship kann man über den Link einsehen. (dahe)