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FIfF-Tagung: Zustand fragiler Stabilität

Mit der Verleihung des FIfF-Preises an den Kanadier David L. Parnas endete heute die 17. Jahrestagung des Forum Informatikerinnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. in Bremen. Die Vereinigung kritischer Informatiker ehrte mit Parnas einen alten Bekannten: Der 60-Jährige ist einer der Pioniere der Modultechnik und der Informationskapselung (Information Hiding). Parnas wurde 1985 mit seiner Kritik am SDI-Programm der US-Regierung von Ronald Reagan bekannt, an dem er zunächst selbst beteiligt war. Auch seine Kritik an den "Krokodilstränen", die nach den Terror-Attacken in den USA vergossen werden, sorgte für Aufsehen.

Die Anschläge überschatteten die Konferenz, die sich unter dem Titel "Odyssee im Cyberspace" eigentlich mit den "Wegen und Irrwegen in der Informationstechnik" befassen sollte. In der Tradition der Friedensbewegung der 80er-Jahre stehend, tat sich das FIfF mit einer Stellungnahme zu den Ereignissen vom 11. September schwer. Der Mitgliederversammlung lagen zwei verschiedene Anträge vor, die von einer Vorbereitungsgruppe formuliert waren. Ein langer Text, der auch eigene Zweifel und Unsicherheiten zur Sprache brachte, unterlag. Verabschiedet wurde ein kürzerer, "medienkompatibler" Appell für Frieden und Freiheit, der den Terror verurteilt und vor einem Rachefeldzug warnt. Er betont auch die innenpolitische Komponente:

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"Das FIfF ist ebenso besorgt, dass die Terroranschläge als Vorwand dienen werden, die Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken, insbesondere auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu beschneiden, den Datenschutz auszuhöhlen, die ausländischen – vor allem die islamischen – Mitbürgerinnen und Mitbürger unter Generalverdacht zu stellen und die Überwachung aller zu forcieren. Stattdessen tritt das FIfF für die Bewahrung und Stärkung einer demokratischen, freiheitlichen, solidarischen Gesellschaft ein, die dem interkulturellen Dialog verpflichtet ist."

In einem Vortrag unter dem Titel "ExpertInnen zwischen kritischem Journalismus und kritischer Wissenschaft" bezeichnete der FIfF-Vorsitzende Reinhard Keil-Slawik die künftige Rolle des Vereins als Zwitter von Bürgerinitiative, Berufsverband und Expertenkommission, der die Öffentlichkeit aufkläre und die Produkte der Journalisten einer kritischen Bewertung unterziehe. In einem Zustand fragiler Stabilität solle der Verein wieder mehr über die Regionalgruppen wirken, die überall in Deutschland kritische Informatiker erreichen sollen. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (ad)

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