FOSDEM: So geht es mit Thunderbird weiter

Die Thunderbird-Entwickler erläutern konkrete Pläne für die Zeit nach der Trennung von Mozilla. Der E-Mail-Client soll Funktionen beliebter Add-ons übernehmen.

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Schon kurz vor der FOSDEM 20 hat die Mozilla Foundation angekündigt, dass die künftige Entwicklung des E-Mail-Client Thunderbird in der eigens gegründeten Tochtergesellschaft "MZLA Technologies Corporation" weitergehen soll. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Mozilla Foundation von rund 70 Beschäftigten trennen will, nachdem sich die Einnahmen aus Partnerschaften mit Suchmaschinen nicht wie wartet entwickelt haben.

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Ryan Sipes, der Community Manager des Thunderbird-Projekts verweist bei seiner Präsentation zur aktuellen Roadmap des Programms darauf, dass es für die Ausgliederung der Projekts einen weiteren Grund gibt: Die Mozilla Foundation besinnt sich aus steuerlichen Gründen auf ihren Status als gemeinnützige Stiftung. Thunderbird braucht sich indes unter seinem eigenen Dach nicht an die resultierende Auflage zu halten, keinen Profit auszuweisen, und kann nun auf eigene Faust agieren.

In seinem Vortrag zum Zustand und zu den Zielen des E-Mail-Clients spricht Ryan Sipes entspannt aus dem Nähkästchen und präsentiert Zahlen, die nicht in jeder Pressemitteilung stehen: Um die Finanzen für Thunderbird steht es demnach nicht schlecht, obwohl dem Projekt schon häufiger das baldige Ende prophezeit wurde: Nach Hochrechnung verfügt Thunderbird über mehr als 10 Millionen aktive Nutzer und nahm im Geschäftsjahr 2018 rund 1,5 Millionen US-Dollar an Spenden ein, was eine Verdreifachung der Spenden gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet. Davon bezahlt Thunderbird unter anderem zehn festangestellte Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr 2879 Commits in den Programmcode eingepflegt hatten, was einer 10 Prozent höheren Aktivität als im gleichen Zeitraum zuvor entspricht.

Ein neues Gewand für Thunderbird: Zum geplanten Umbau der Oberfläche präsentierte Ryan Sipes einige Folien zur neuen GUI, die entfernt an Material Design erinnert.

(Bild: FOSDEM)

Für die sicher verschlüsselte Korrespondenz mit GPG/PGP ist der E-Mail-Client Thunderbird bisher auf die Erweiterung "Enigmail" angewiesen. Damit wird dieses Jahr Schluss sein, denn ab Thunderbird 78, das für das Jahr 2020 in Arbeit ist, soll das Programm Verschlüsselung per OpenPGP nativ beherrschen. Auch der Kalender der Erweiterung "Lightning" soll in die Kernfunktionalität von Thunderbird wandern, der zudem einen Client für das Kommunikationsprotokoll Matrix bekommen wird.

Ein weiteres Produktivitätstool sind optionale HTML-Widgets für E-Mails, die über die Möglichkeiten traditioneller E-Mails hinausgehen und die Arbeit in Teams erleichtern können. Als konkretes Beispiel zeigte der Vortrag auf der FOSDEM-Konferenz ein Widget zu Abstimmungen und deren Auswertung. Die oft angefragte Unterstützung und in der anschließenden Fragerunde ebenfalls angesprochene Unterstützung von Exchange-Servern bleibt indes eine Baustelle. (tiw)