FSF: Steve Jobs soll seinen Worten Taten folgen lassen

DefectiveByDesign, die Anti-DRM-Kampagne der Free Software Foundation, hat Apple-Chef Steve Jobs in einem offenen Brief aufgefordert, nach seinem Plädoyer gegen DRM nun auch aktiv zu werden.

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Von
  • Volker Briegleb

Die von der Free Software Foundation (FSF) getragene Anti-DRM-Kampagne "DefectiveByDesign" hat Steve Jobs in einem offenen Brief aufgefordert, seinem viel beachteten Plädoyer gegen digitalen Kopierschutz (Digital Rights Management, DRM) nun auch Taten folgen zu lassen. Internet-Nutzer können die Petition "unterschreiben" und kommentieren. Die Unterschriften und Vorschläge will die FSF dem Apple-Chef am 1. April schicken – zusammen mit einer Narrenkappe, sollte er bis dahin untätig geblieben sein.

Die Kampagne der FSF hatte insbesondere Apple ins Visier genommen und zu Protestveranstaltungen vor Geschäften in England und den USA geführt. Der Computerhersteller ist mit iTunes Marktführer beim Online-Musik-Verkauf und setzt ein geschlossenes DRM-System namens FairPlay ein, das bei iTunes gekaufte Musik an Apple-Hardware bindet. Die Musikindustrie – deren Sicherheitsbedürfnisse die Einführung des Systems nach Jobs Ansicht erst nötig gemacht haben –, Konkurrenten und europäische Verbraucherschützer fordern von Apple die Öffnung des Systems für Lizenznehmer. Der Apple-Chef hatte das in seinen Ausführungen auch erwogen, fand aber auch Argumente dagegen und sprach sich implizit für eine Abschaffung von DRM aus.

Dem soll er jetzt, drei Wochen nach der Veröffentlichung, auch Taten folgen lassen, fordert die FSF. Die Aktivisten haben dafür drei konkrete Vorschläge: Zuerst könnte Apple bei Musik unabhängiger Labels auf DRM verzichten, sofern diese es wünschen. Das hätte den zusätzlichen Effekt, dass Kunden deutlich unterscheiden könnten, welche Künstler bei den vier Majors unter Vertrag sind. Darüber hinaus soll sich Jobs als Aufsichtsratsmitglied und größter Einzelaktionär des Filmstudios Disney dafür einsetzen, dass auch die Filmindustrie auf DRM verzichtet.

Nicht zuletzt fordert die FSF, der Apple-Chef solle seinen Standpunkt zu DRM präzisieren und sich auch explizit für eine Abschaffung des DRM und den Beschränkungen im US-Urheberrecht (Digital Millenium Copyright Act, DMCA) aussprechen. Jobs könne zudem mit finanzieller Unterstützung einen wesentlichen Beitrag zum Kampf gegen Gesetze wie den DMCA und den vorgeschlagenen PERFORM Act leisten. Der Gesetzesvorschlag sehe einen DRM-Zwang auch für im MP3-Format gestreamte Inhalte vor und bedrohe die Meinungsfreiheit und -vielfalt.

Nach nur einem Tag habe die Kampagne das Ziel von 1000 Unterzeichnern nahezu erreicht, heißt es heute auf der Website. Der offene Brief ist inzwischen nicht mehr abrufbar, weil die Website mit starkem Traffic zu kämpfen hat. (vbr)