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FSW2011: Lösungsansätze für Dezentralisierung

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Am zweiten Tag der noch bis heute in Berlin stattfindenden Konferenz Federated Social Web Europe standen vor allem technische Fragen der Standardisierung und Programmierung im Vordergrund. Eine Vielzahl kurzer Vorstellungen zeigte die Bandbreite existierender Ansätze, um auf die gegenwärtig von den Entwicklern als wichtig identifizierten Probleme einer verteilten Web-Infrastruktur Antworten zu finden: Identität, Authentifizierung, Datenschutz und Interoperabilität.

George Gionis von der Technischen Universität Athen stellte das von Industrie und Forschung getragene Projekt Webinos vor. Damit sollen verschiedenste Objekte wie Nutzer, Geräte, Anwendungen, Profile und Inhalte kontextabhängig, aber unabhängig von benutztem Gerät oder der Anwendung verfügbar gemacht werden. Hierzu sollen verschiedene Schnittstellen, über deren geplante Fähigkeiten die Entwicklern teils noch diskutieren, Interoperabilität auf der Softwareebene garantieren.

Deutlich kleiner sind Ansätze wie das dezentrale Netzwerk Buddycloud . Dessen Münchner Entwickler wollen ihr auf dem von Jabber bekannten XMPP fußendes System mit dem von anderen Ansätzen wie identi.ca bekannten OStatus verknüpfen.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt MyProfile. Dabei geht es darum, über reines Identitätsmanagement hinaus Profile zu verwalten und pflegen. Anders als bei herkömmlichen Identitätsprovidern im Web soll der Nutzer mittels MyProfile in allen möglichen technischen Standards zu verschiedensten Anwendungen und Plattformen seine Profilinformationen wie Name und E-Mail-Adresse übermitteln können, aber auch Beziehungen zu anderen Personen und Objekten. Für Andrei Sambra von MyProfile liegt das Problem an derzeitigen Lösungen auf der Hand: "OpenID ist nur Authentifizierung, am Ende ist man nur ein Verzeichniseintrag." Der Nutzer müsse die Kontrolle haben. "Deine Daten auf deinem Server“, das sei die Devise.

Ein weiteres vieldiskutiertes Thema war der Datenschutz. Jose del Alamo von der Polytechnischen Universität Madrid identifizierte die größten Beeinträchtigungen der Privatsphäre: die großen Unternehmen, jeder Nutzer selbst sowie seine Freunde, seine Familie und jeder, der jemanden kennt. "Die Veröffentlichung von Informationen durch Andere ist nicht nur unkontrollierbar und kann Datenschutzprobleme aufwerfen“, sagte del Alamo. "Es ist auch ein Problem für jene, die diese Information aufnehmen. Wir sind nicht in der Lage den Wahrheitsgehalt einer solchen Information einzuschätzen." Diese Situation würde sich in dezentralen Netzwerken noch verstärken.

Der Forscher Sören Preibusch von der Universität Cambridge konnte aus seinen Forschungsergebnissen berichten, wie offen Menschen mit ihren personenbezogenen Daten umgehen. Laut Preibusch gebe es keine Angabe, bei der sich alle Befragten einig wären, dass sie sie niemandem jemals zur Verfügung stellen würden. Überraschend war seine Feststellung, dass es sich insbesondere bei den Datenschutzbewussten um eine lukrative Zielgruppe handelt. Der Grund: Gesteigertes Datenschutzbewusstsein sei eng mit dem Faktor Bildung verknüpft und dieser wiederum eng mit dem Einkommen. (Falk Lüke) / (ola)

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