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Facebook-Anhörung: Wie Zuckerberg die US-Repräsentanten abblitzen ließ

Die Einvernahme Mark Zuckerbergs im Repräsentantenhaus zeichnete sich durch deutlich konkretere Fragen aus als die vorangegangene Anhörung im US-Senat: die interessantesten Fragen der Repräsentanten und die Antworten zusammengefasst.

US-Repräsentanten, von vorne, Mark Zuckerberg von hinten

Mark Zuckerberg (unten) sitzt dem Ausschuss für Energie und Wirtschaft des US-Unterhauses gegenüber.

(Bild: Screenshot)

Am Mittwoch musste sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg Fragen der Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses stellen. Wie schon am Tag davor beim US-Senat dauerte die Einvernahme etwa fünf Stunden. Diesmal bekam jeder Abgeordnete aber nur vier Minuten Zeit. Daher drängten die Politiker Zuckerberg zu kurzen Antworten. heise online hat die interessantesten Fragen und Antworten ausgesucht, mit besonderem Augenmerk auf neue Informationen.

Vorweg einige Einsichten aus der zweiten Einvernahme: Ausgangspunkt des Cambridge-Analytica-Skandals war ein Quiz, das der Psychologe Aleksandr Kogan von der Universität Cambridge auf Facebook verbreitet hatte. Darüber sammelte er Daten der etwa 300.000 Quiz-Teilnehmer, aber auch ihrer Freunde, so das insgesamt 87 Millionen Personen betroffen waren. Diese Daten verkaufte Kogan später an mehrere Firmen weiter, darunter Cambridge Analytica und Eunoia Technologies. Es gab weitere Käufer, doch Zuckerberg konnte oder wollte ihre Namen nicht nennen.

Von der Datenverwertung durch Cambridge Analyticas habe er 2015 durch die britische Zeitung Guardian erfahren. Zuckerberg musste eingestehen, dass Facebook damals verhindern wollte, dass der Guardian über den Skandal berichtet. Grund: "Es könnte Ungenauigkeiten bei den Fakten gegeben haben."

Außerdem gab er zu Protokoll, dass es an der Universität Cambridge eine ganze Reihe weiterer, ähnlicher Facebook-Apps gegeben habe. Doch einzig Kogan hätte die gesammelten Daten weiterverkauft. Die von Facebook angekündigte Untersuchung der Datensysteme Kogans und Cambridge Analyticas ist pausiert, bis die britischen Behörden ihre Untersuchung abgeschlossen haben.

Einige Republikaner versuchten, die Facebook-Nutzung durch Obamas Wiederwahlkampagne 2012 mit der 2013 erfolgten Datensammlung Kogans gleichzustellen. Die Obama-Kampagne hatte sich mit Sympathisanten mit deren Zustimmung auf Facebook verbunden, und kam so auch an deren Facebook-Freunde heran. Für Zuckerberg war das aber nicht mit Kogans Datensammlung vergleichbar: Und: "Der große Unterschied zwischen diesen Fällen ist, dass sich die User im Falle Kogans bei einer App angemeldet haben, um Kogan Daten zu geben, und dann hat er diese Daten entgegen unserer Richtlinien und entgegen der Erwartung der User an Dritte verkauft."

Auch eine insinuierte parteiische Unterstützung Obamas stellte Zuckerberg in Abrede: "Wir haben Obama nichts erlaubt, was nicht auch jeder andere Developer hätte tun können." Und Obama habe sich an die damaligen Facebook-Regeln gehalten, Kogan nicht.

2014 habe Facebook die Regeln für den Datenzugriff Dritter geändert. Seither könnten sie nur noch die Daten jener Nutzer sehen, die ihre Zustimmung erteilt haben, nicht mehr Informationen über deren Facebook-Freunde. Mehrere datengierige App-Betreiber hätten damals den Anstoß zu diesen Änderungen gegeben. An konkrete (Firmen)Namen erinnere er sich aber nicht, sagte Zuckerberg.

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Am Dienstag hatte Facebook angekündigt, Facebook-Postings bald mit 20.000 Mitarbeitern zu überwachen, um unerwünschte Inhalte löschen zu können. Am Mittwoch gestand er ein, dass es sich dabei nicht um Facebook-Mitarbeiter sondern um externe Werkvertragsnehmer handeln werde. Gegenwärtig könne Facebook Inhalte in 30 Sprachen überprüfen.

Spezifisch auf Terrorpropaganda habe Facebook derzeit 200 Personen angesetzt. 3.000 Personen seien in der Lage, bei Anzeichen für Selbstverletzungsabsichten eines Facebook-Users in den USA entsprechende Hilfe zu organisieren. Den Vorwurf, der Newsfeed-Algorithmus habe konservative Weltanschauung benachteiligt, wies Zuckerberg zurück.

In Russland speichere Facebook keine Daten, versicherte Zuckerberg den US-Abgeordnete. Auf eine Frage nach etwaiger Datenweitergabe an russische Geheimdienste sagte der Manager: "Ich habe kein spezifisches Wissen über irgendwelche Daten, die wir jemals Russland gegeben haben. Generell befolgen wir gültige Behördenanfragen in verschiedenen Ländern." Was das bezüglich Russland bedeute, könne er nachliefern.

Außerdem versicherte Zuckerberg, dass Facebook seine User nicht belausche. Ausgenommen sind natürlich ausdrücklich angefertigte und bereitgestellte Videos und Tonaufnahmen. Werbeanzeigen werden nicht ausschließlich nach den Zielgruppenwünschen der Auftraggeber eingeblendet, sondern auch nach Facebooks eigenem Verständnis, was die User interessiere.

2010 und 2016 musste Facebook zwei große Sammelklagen (Lane v. Facebook, Fraley v. Facebook) wegen enormer Datenschutzverletzungen durch teure Vergleiche (9,5 Millionen und 20 Millionen Dollar) beilegen. Zuckerberg erinnerte sich aber nicht daran. An die 2011 mit der Handelsbehörde FTC eingegangene Vereinbarung erinnerte er sich zwar, konnte aber nicht sagen, ob damit eine Strafzahlung verbunden war. [Es gab keine Strafzahlung, weil die FTC das nur von Wiederholungstätern einfordern darf, Anmerkung.]

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