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Facebook-CEO Zuckerberg in Berlin: “Wir haben unseren Job nicht gut genug gemacht”

Der CEO nutzte sein Townhall-Meeting in der Hauptstadt, um Facebooks Linie bei Hasskommentaren zu erläutern und mehr über das Team zu verraten, das damit beschäftigt ist. Auch eine Ankündigung hatte Zuckerberg im Gepäck.

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(Bild: Facebook)

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Am zweiten Tag seines Besuchs in der Hauptstadt hat sich Mark Zuckerberg in der Arena Berlin von rund 1500 Gästen von deutschen Universitäten einigen Fragen gestellt. Beim ersten sogenannten Townhall-Meeting in Deutschland hat der Facebook CEO eine Stunde lang über Berlin, seine Tochter, Zukunftstechnik und natürlich unerwünschte Facebook-Kommentare gesprochen. Die Veranstaltung wurde live auf Facebook übertragen.

Die erste der passend ausgewählten Fragen nutzte Zuckerberg für eine Ankündigung: Live Video wird ab sofort schrittweise auch allen Android-Nutzern zur Verfügung gestellt. Das Feature, mit dem man Videos live auf seinem Facebook-Profil streamen kann, war bisher iOS-Anwendern vorbehalten. Wie für andere Beiträge auch legt der Nutzer vorher fest, wer den Stream sehen kann.

Natürlich ging es auch um Facebooks Umgang mit Hasskommentaren, der hierzulande für heftige Debatten und Ermittlungen gesorgt hat. “Für Hassrede gibt es keinen Platz auf Facebook und in unserer Community”, bekräftigte Zuckerberg. Er räumte ein, dass “wir in Deutschland unseren Job nicht gut genug gemacht haben”. Zu dieser Überzeugung sei er unter anderem nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gekommen.

“Die deutsche Führungsrolle in der Flüchtlingskrise ist inspirierend und ein Vorbild für den Rest der Welt”, lobte der 31-Jährige. “Es braucht Mut und Menschlichkeit, um zu begreifen, dass da draußen Menschen sind, die ein Zuhause brauchen - und dass Gemeinschaften aufzubauen, in denen niemand ausgegrenzt wird, am Ende das beste für die Welt sein wird”. Zuckerberg hofft, “dass die USA dem Vorbild Deutschlands folgen”.

Facebook hat in Deutschland inzwischen ein Team aufgestellt, das mit der Prüfung gemeldeter Kommentare beschäftigt ist. Bisher war das Unternehmen den Fragen nach der Größe dieses Teams ausgewichen. In Berlin sagte Zuckerberg erstmals, dass es 200 Mitarbeiter seien. Facebook habe darüber hinaus Flüchtlinge in Deutschland zu den Gruppen von Menschen hinzugefügt, für die besonderer Schutz auf der Plattform gelte. Das werde auf den Rest der Welt ausgeweitet.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will genau im Blick behalten, wie Facebook seine Zusagen einhält, verstärkt gegen Hasskommentare vorzugehen. “Wir werden beobachten, wie erfolgreich diese Initiativen in der Praxis sind”, sagte der SPD-Politiker den Ruhr-Nachrichten. Der Minister machte sich auch für eine konsequentere Strafverfolgung wegen volksverhetzender Äußerungen in sozialen Netzwerken stark und kündigte an, das Thema im März bei einem Treffen mit seinen Länderkollegen auf die Agenda zu nehmen.

Einer Frage muss sich Facebook immer wieder stellen, und da war das Townhall-Meeting keine Ausnahme: Gibt es einen “Dislike”-Button? Zuckerberg wies in diesem Zusammenhang auf die in dieser Woche eingeführten “Reactions” hin, die Facebook-Nutzern eine etwas größere Bandbreite von Reaktionen auf ein Posting erlauben. Negative Reaktionen sind nicht Zuckerbergs Ding: “Es geht darum, Empathie auszudrücken.”

Die deutsche Haupstadt ist für Zuckerberg ein besonderer Ort. Abgesehen davon, dass er hier zum ersten Mal seit Jahren wieder durch Schnee joggen konnte, fühlt sich der Facebook-Chef “wirklich zu Hause in Berlin. Keine Stadt auf der Welt symbolisiert das Einreißen von Mauern so sehr.” Er spüre die Aufbruchstimmung in der zusammengewachsenen Metropole. “Berlin ist auch nur zu einem Prozent fertig, das ist sehr inspirierend für mich.”

Zum Abschluss warf Zuckerberg noch einen Blick in die Zukunft und sprach über eines seiner Lieblingsthemen, die virtuelle Realität. ”Es wird dazu kommen und es wird großartig sein.” So könne man in fünf Jahren – oder schneller – möglicherweise eine Veranstaltung wie dieses Treffen in einer virtuellen 360-Grad-Umgebung übertragen, so dass die Menschen virtuell teilnehmen könnten. Auch die Erforschung der Künstlichen Intelligenz (KI) treibt das Unternehmen voran.

Am Donnerstag hatte Facebook in dem für ein paar Tage aufgebauten “Facebook Hub” in Berlin Mitte Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien seine Initiativen näherzubringen versucht und ein neues Förderprogramm für europäische KI-Forscher vorgestellt. In dessen Rahmen erhält ein Team der TU Berlin vier Hochleistungsserver für seine Forschungsarbeit am Maschinellen Lernen. Am Donnerstagabend war Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla zu Gast beim Axel Springer Verlag, von dem er mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet wurde. (vbr)